stern verliert wichtige Investigativ-Reporterin

Künftig nicht mehr für RTL Deutschland und den stern aktiv sein wird Birte Meier. Wie gab in dieser Woche ihren Abschied nach rund vier Jahren bekannt. Das passt ins Bild, weil die Marke „stern“ inzwischen im TV-Programm von RTL weniger präsent ist als noch vor wenigen Jahren. Was auffällt…

Birte Meier sagt RTL Deutschland und der stern-Redaktion „Auf Wiedersehen“. Das gab die prämierte Journalistin nun über ihren LinkedIn-Kanal bekannt. Die Personalie ist durchaus bemerkenswert, war Meier doch ein wesentlicher Teil eines Plans, die Marke stern crossmedial, also nicht nur in Print und Online, sondern auch im Fernsehen, als Ort für aufmerksamkeitsstarken Investigativjournalismus zu positionieren.

Man habe „drei der Besten ihres Metiers gewinnen können“, freute sich Stephan Schmitter. Der heutige Chef von RTL Deutschland war damals noch Geschäftsführer von RTL News. Und Gregor Peter Schmitz, damals recht frisch beim stern, wollte, dass „wir mit dem stern und über unsere verschiedenen Plattformen die relevanten Themen setzen, über die Deutschland spricht.“

Zusammen mit Manka Heise und Christian Esser entwickelte Meier das Format „stern investigativ“, das bis dato letztmals im Oktober 2025 im Fernsehen lief. Meier schreibt in ihrem Text nun es habe „super Quoten eingefahren und viele Abos“ verkauft. Bei seiner bis dato letzten Ausstrahlung auf dem 22:35-Uhr-Slot sicherte es sich bei den für RTL wichtigen 14- bis 49-Jährigen etwas mehr als acht Prozent, was nicht super, aber auch nicht schlecht ist. Am heutigen Mittwochabend setzt RTL auf eine neue Investigativ-Reportage des stern, an der Birte Meier aber schon nicht mehr beteiligt war. Diese steht unter dem Titel „Putins Wegwerfagenten – Die billigen Vollstrecker“ und sogar zur allerbesten Ausstrahlungszeit, also um Viertel nach Acht. Dafür waren Reporter des Magazins als „vermeintliche billige Wegwerfagenten“ unterwegs, wie eine Sendungsbeschreibung nahelegt.

Definitiv super für Meier und den stern: Das Team gewann einige Preise, etwa den Helmut Schmidt-Preis, den Otto-Brenner-Preis, „dreimal landeten wir unter den Top10 der Journalisten des Jahres“, schrieb Meier. Was war Meiers wichtigste Erfahrung in der Zeit? „Solider, investigativer Journalismus zu politischen Themen muss nicht für die Nische gemacht sein – sondern kann auch jene bewegen, denen manche das Interesse dafür absprechen“, erklärte sie.

Fokus wieder auf „stern TV“ am Mittwoch?

Fragen bleiben offen. Eine davon ist: Wie sieht Meiers Zukunft jetzt aus? Bevor sie 2022, als das TV-Business noch brummte und der Werbemarkt deutlich besser aussah als jetzt, zu RTL Deutschland kam, arbeitete sie rund eineinhalb Jahrzehnte in unterschiedlichen Funktionen beim ZDF. Zeit für etwas Neues sei nun, schreibt Meier – und schließt den Post mit der Empfehlung: „Stay Tuned“.

Eine andere Frage betrifft die generelle Präsenz der Marke stern im Fernsehen. Im Zuge einiger Absetzungen, darunter auch das RTL-Morgenprogramm „Punkt 6/7/8“, endet am kommenden Wochenende auch „stern TV am Sonntag“ – trotz zuletzt durchaus solider Quoten. Von „stern Crime“, das unter anderem die True-Crime-Sendung „Der Albtraummann“ hervorbrachte, ist bereits seit mehr als eineinhalb Jahren auf dem Schirm nichts Neues mehr zu sehen. Vieles deutet also darauf hin, dass sich der „Stern“ im Fernsehen wieder auf die etablierte Mittwochs-Sendung konzentriert. Sie wird seit vielen Jahren von Steffen Hallaschka moderiert, der damit ein wesentliches Gesicht der Marke geworden ist. Gleichwohl dürfte die investigative Recherche, die die Marke stern seit Jahren prägt, weiterhin ein wichtiger Teil der journalistischen Arbeit bleiben.

Artikelupdate, 2.9., 18:07 Uhr: Vox hat am Mittwochnachmittag den Start einer weiteren Staffel von „stern TV Reportagen“ in Aussicht gestellt. Vier Stück werden im Herbst laufen und unterschiedliche, bunte Themengebiete abdecken. Was inhaltlich geplant ist, steht bei Digitalfernsehen.de geschrieben.

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