Radikalumbau beim WDR? Intendantin Katrin Vernau sucht für die Programmdirektion einen Transformationsprofi. Das neue Profil bricht mit alten Traditionen – und befeuert Spekulationen über eine Mega-Fusion beider Direktionen.
Katrin Vernau hat nicht mit klaren Worten gespart, als sie sich im Sommer 2024 für das Intendantenamt des Westdeutschen Rundfunks (WDR) präsentierte. Die damalige WDR-Verwaltungsdirektorin beschrieb in Köln, wie sie den größten ARD-Sender verändern will: Er müsse regionaler, digitaler und wirtschaftlicher werden. Die Transformation ins Digitale sei „noch viel entschiedener, schneller und konsequenter“ anzugehen: „Wir brauchen Unerschrockenheit. Lassen Sie es uns Mut nennen.“
Ihre „Mut“-Rede überzeugte am Ende den WDR-Rundfunkrat. Vernau wurde mit deutlicher Mehrheit zur neuen Senderchefin ab Januar 2025 gewählt – in der Nachfolge von Tom Buhrow. Das Nachsehen hatten drei fernsehbekannte Journalisten, darunter Vernaus Direktorenkollege Jörg Schönenborn. Ihm blieb sein sicher geglaubtes Karriereziel verwehrt.
Heute, zwei Jahre nach Vernaus Rede, steckt der WDR mitten im Umbau. Bei der Regionalberichterstattung gilt inzwischen die Devise digital first. Dafür wurde etwa ein neues Reporter-Netz aufgebaut. Website und App erhielten einen Relaunch. Bis zum Jahr 2030 soll außerdem etwa die Hälfte des Programmbudgets in die Produktion digitaler und non-linearer Inhalte fließen. Vorgesehen ist, das Portfolio von 600 auf 300 Angebote zu halbieren. Vernaus Ziel: den WDR zur Nummer eins für digitale regionale Informationen in Nordrhein-Westfalen zu machen.
Um die weitere Transformation zu managen, sucht die Intendantin nun eine geeignete Führungskraft, unterstützt durch die Personalberatung ifp. Nachbesetzt werden muss eine von zwei WDR-Programmdirektorenstellen, und zwar die für „Information, Fiktion und Unterhaltung“. Jörg Schönenborn gab diesen Posten Ende April ab, um in der ARD etwa die Tagesthemen zu moderieren. Doch Vernau könnte noch größer planen. Am Ende könnte die neue Person nicht nur einen, sondern gleich beide Programmdirektoren des WDR ersetzen. Klar ist hingegen: Vernau will mit einer Tradition brechen.
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