Keine Schonfrist für Helge Fuhst: Die Welt am Sonntag veröffentlicht im Vorfeld der Wahl in Ungarn einen Gastbeitrag von Viktor Orbán. Der Schritt polarisiert – und legt das interne Missmanagement offen.
Dass unter dem neuen Chefredakteur einiges anders laufen könnte als unter seinen Vorgängern, wurde in der 10-Uhr-Runde am Montagmorgen schnell deutlich. Helge Fuhst setzte sich vor die programmierte Empörungswelle seiner Redakteure und sprach den Elefanten im Raum sofort an. Gemeint ist ein Gastbeitrag, der in der jüngsten Welt am Sonntag publiziert worden war und aus der Feder des ungarischen Regierungschefs Viktor Orbán stammt. Mitten in seinem Wahlkampf beschrieb der Politiker „antiukrainische Ressentiments“ und gab „unverfälscht Talking Points der russischen Regierung wieder“, wie der Spiegel zusammenfasst. Es sei ein Text, „der klingt, als sei er vom Kreml selbst verfasst worden“, urteilt die Süddeutsche Zeitung.
Fuhst, erst seit Mittwoch Vorsitzender der Chefredaktionen von Axel Springers „Premium“-Gruppe, hat in der Konferenz mehrfach deutlich gemacht, über die Veröffentlichung alles andere als glücklich zu sein. Mindestens über Form und Kontext hätte er anders entschieden, geben Teilnehmer ihren neuen Chefredakteur wieder. Nur zeigt genau dies: Neue Töne, altes Problem. Fuhst bekommt zum Amtsantritt vorgeführt, woran er wohl am dringendsten arbeiten muss.
Hier findest du verschiedene Optionen, um Medieninsider zu lesen.
Du bist schon Mitglied?




