Jan Philipp Burgard tritt vom Posten des Welt-Chefredakteurs ab – aus gesundheitlichen Gründen, wie er und Axel Springer erklären. Was bislang inoffiziell blieb: Der Abgang erfolgt, bevor eine interne Untersuchung zum Abschluss kommt.
Auf den ersten Blick wirkte die jüngste Personalrochade bei Axel Springer wie geplant. Am Mittwoch verkündete das Unternehmen einen prominenten Neuzugang: Helge Fuhst, Zweiter Chefredakteur von ARD-Aktuell und Leiter der Tagesthemen, übernimmt bei Axel Springer den neu geschaffenen Posten als „Vorsitzender der Chefredaktionen der Premium-Gruppe“. Als wäre diese Personalie nicht schon überraschend genug: Der TV-Journalist und Medienmanager ersetzt zugleich den Welt-Chefredakteur Jan Philipp Burgard. Politico und Business Insider behalten dagegen eigene Markenverantwortliche.
Die Ausführungen des Konzerns und Burgards legen nahe, dass Springer kurzfristig umdisponieren musste. Das sofortige Ausscheiden des erst vor einem Jahr beförderten Chefredakteurs wird mit gesundheitlichen Gründen erklärt. Die Entscheidung sei ihm „sehr schwer gefallen“, schrieb Burgard in einer persönlichen Botschaft. Ärzte hätten ihm geraten, sich stärker auf seine Gesundheit zu konzentrieren. Auf dem Rückflug aus dem Urlaub habe es zudem einen „schweren körperlichen Zwischenfall“ gegeben, der an Bord ärztlich behandelt werden musste.
Die persönliche Entscheidung aus gesundheitlichen Gründen, auf die Burgard nicht näher eingeht, scheint konsequent – und doch ist sie außergewöhnlich. Der Chefredakteur, der seinen Posten erst vor einem Jahr übernahm und zuletzt nicht den Anschein machte, mit einem kurzfristigen Ausscheiden zu rechnen, legt keine Pause ein. Er zieht sich unwiderruflich zurück. Wieso ein so radikaler Schritt? Auf diese Frage geht Burgard ebenso wenig ein wie auf Nachfragen zu einem weiteren möglichen Zwischenfall. Dazu haben sich weder der Konzern noch Burgard bislang öffentlich geäußert. Intern allerdings beschäftigte der Vorfall die Beteiligten in den vergangenen Tagen intensiv. Im Hintergrund geht der Konzern Hinweisen auf ein mögliches Fehlverhalten auf einer Firmenfeier nach.
Unruhe nach ausgiebiger Feier zum „Premium-Tag“
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