Vertrauen schaffen im Journalismus: Erklärt euch!

Sollte man Medien konsumieren können, ohne zu verstehen, wie sie eigentlich entstehen? Ohne die Spielregeln zu kennen, die Journalisten sich selbst auferlegen und die Vereinbarungen, die sie mit ihren Quellen oder Interviewpartnern treffen?

Ich denke schon.

Sollte man Medien produzieren oder an deren Entstehung mitwirken, ohne diese Spielregeln zu kennen?

Schon aus Eigeninteresse vielleicht eher nicht. 

Wie komme ich darauf? Ich habe seit der Diskussion über das Handling der Wolff-Interview-Autorisierung viel darüber nachgedacht, warum es selbst für Profis offenbar sehr schwer ist, journalistische Praktiken zu verstehen. Aber auch, welches geringe Maß an Vertrauen in journalistische Produkte aus vielen Kommentaren spricht und wie das vom Selbstverständnis der Produzenten divergiert.

Produktdesign

Ein ideales Produkt ist so einfach und so klar, dass man kein Handbuch und keine Einführung braucht. Es ist dem Nutzer intuitiv klar. Auspacken, einschalten, loslegen. Immer mehr Firmen haben das verstanden und bemühen sich sehr darum, diesen Kundenerwartungen gerecht zu werden. 

Journalisten stellen allerdings keine einfach zu bedienenden Konsumgüter in Masse her sondern häufig nuancierte und gewissermaßen handwerkliche Unikate. Aber sie sprechen ein breites Publikum an und sehen sich daher denselben Erwartungen ausgesetzt. Wie also damit umgehen?

Auf Medienkompetenz zu verweisen und davon zu träumen, dass das Publikum sich die Zeit nimmt, selbständig journalistische Prozesse zu verstehen und womöglich sogar den skurrilen Jargon zu verstehen, ist natürlich fehlgeleitet. Dem Konsumenten abzuverlangen, finanzielle, politische, oder andere Interessen in journalistischen Beiträgen erkennen zu können, ist das Gegenteil von “it just works”. 

What if it doesn’t just work?

Viele Medienkonsumenten verlieren das Interesse an Nachrichten-Inhalten (vor allem die jungen), können Nachrichten nicht von Werbung unterscheiden, auch die Unterscheidung von News und Entertainment wird ihnen schwieriger gemacht. Es wird alles über einen Kamm geschert. Und nicht nur Zyniker fragen nach der Motivation, also wie denn das Medium, der Journalist oder auch der Interviewte von dem jeweiligen Text profitieren.

Das heißt, sie gehen mit einer gewissen Art von Misstrauen an jeden Text heran. Und das lässt sich nur mit Offenheit und Vertrautheit angehen: „Trust is often in part about familiarity“, sagt auch Rasmus Kleis Nielsen, Director of the Reuters Institute for the Study of Journalism at Oxford, in der Diskussion um Umfrageergebnisse zum Vertrauen in Medien.  

Journalisten, die bei Lokalmedien arbeiten und in ihrer Region regelmäßig mit ihren Lesern oder Zuschauern in Kontakt kommen, können davon profitieren. Für überregional oder gar global agierende Medien muss man also andere Optionen finden.

Tue Gutes und sprich darüber

Einige Medien haben dieses Problem erkannt und gehen es in unterschiedlicher Art an. Sie versuchen zu erklären, wie sie vorgehen, um ihre Arbeit auch für den Außenstehenden nachvollziehbar zu machen. Transparenz schafft Vertrauen, Vertrauen stärkt die Marke. Eine starke Marke ist gut fürs Geschäft. 

Hier vier verschiedene Beispiele, die alle in ihrer Form zu „Vertrautheit“ und damit dann zu erhöhtem Vertrauen führen können:

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Andreas Gebhard
Andreas Gebhard ist Gründer der Unternehmensberatung Forward Momentum, LLC und hilft Start-ups, Innovationsteams in Großunternehmen und Mittelständlern dabei, ihre Ziele umzusetzen (und manchmal auch, sie erst zu definieren). Er war früher selbst Journalist und hat Redaktionsteams in Deutschland und den USA geleitet. Von New York, Berlin, oder anderswo in der Welt blickt er auf die deutsche Medienlandschaft und gibt hier mit einem outside view Denkanstöße für alle Medieninsider.

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