Radikalreform: Wie die Tarife modernisiert werden sollten

Zeitungsverlage und Gewerkschaften streiten seit Monaten erfolglos über einen neuen Tarifvertrag. Das System ist dabei immer das gleiche – und genau das Problem. Ein moderner Tarif muss zur Transformation der Branche beitragen. Ein Kommentar.

Seit Monaten wird verhandelt, gestreikt, blockiert. Die Tarifauseinandersetzung zwischen den Journalistengewerkschaften und dem Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) zieht sich – ohne erkennbare Bewegung. Die Gewerkschaften fordern krasse Gehaltssteigerungen von zehn bis zwölf Prozent. Der Grund: Nach Corona und Ukrainekrieg hielten sich die Arbeitnehmervertreter zurück. Nun sollen Verlage nachliefern. Arbeitnehmervertreter weisen auf massive Reallohnverluste hin und äußern die Sorge, dass der Journalistenberuf immer unattraktiver wird.

Die Verleger halten dagegen, verweisen weiter auf die wirtschaftliche Lage der Branche: sinkende Printauflagen, steigende Produktionskosten, rückläufige Werbeerlöse, hoher Investitionsdruck in die digitale Transformation. Der BDZV-Verhandlungsführer Georg Wallraf spricht von „enormen Herausforderungen“ und warnt vor Forderungen, die die Realität der Verlage ignorierten.

Arbeitgeber und Arbeitnehmer verbindet der Druck aus den eigenen Reihen: Zu große Zugeständnisse an die jeweils andere Seite könnten dazu führen, dass der Tarif und damit die jeweiligen Verbände an Rückhalt verlieren. Alle sorgen sich um den Verlust weiterer Mitglieder.

Die Grundsatzfrage: Ist das Modell noch zeitgemäß?

Mit Blick auf das Tarifsystem als Grundlage für faire Zusammenarbeit stellt sich abseits der laufenden Verhandlungen eine größere Frage: Wenn der bisherige Mechanismus ohnehin ständig zur Reibungsfläche wird,wäre es dann nicht langsam an der Zeit, grundsätzlicher über Tarifstrukturen im Journalismus nachzudenken? Müssen oder können Tarifgefüge nur noch als eine Absicherung dienen – oder sollten sie nicht auch dazu beitragen, Transformation und Wachstum zu fördern?

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Marvin Schade
Marvin Schadehttps://medieninsider.com
Marvin ist Gründer und Chefredakteur von Medieninsider. Zuvor war er mehrere Jahre für den Branchendienst Meedia in Hamburg und Berlin tätig, arbeitete kurz beim Focus Magazin und für Gabor Steingarts Morning Briefing.

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