So viele Bild-Reporter bleiben in den Regionen übrig

Der Axel-Springer-Konzern hat seit Beginn seiner Sparmaßnahmen in Deutschland beteuert, keine journalistischen Stellen abzubauen. Bei der Neuaufstellung von Bild wird an diesem Versprechen gerüttelt. Eine interne Unternehmenspräsentation legt nahe: Zukünftig könnten weniger Journalisten aus den Regionen berichten als bisher. Die Pläne stoßen auf Widerstand – und der wiederum blockiert das schon länger angedachte Frewilligenprogramm.

In der vergangenen Woche begegneten viele Mitarbeiter Marion Horn in ihrer neuen Rolle als Chefredakteurin zum ersten Mal persönlich – und höchstwahrscheinlich auch zum letzten Mal. Die neue Bild-Chefin unternahm ihre erste Tour durch die Regionalbüros des Boulevardtitels. Sie kam, um zu erklären, was erst durch die Medien sickerte und dann am Montag vergangener Woche verkündet wurde: Die Mehrzahl der bislang 15 Standorte wird geschlossen, bundesweit sollen bis zu 200 Stellen betroffen sein. Das von Springer ausgerufene „Strategieprojekt“ wird bei Bild zahlreiche Arbeitsplätze kosten. Vor allem viele Mitarbeiter mittleren Alters fürchten um ihre Existenz auf dem immer schwieriger werdenden Arbeitsmarkt.

Kritik an Horn wegen Empathielosigkeit

Entsprechend emotional ging es in der vergangenen Woche an den Standorten in Hamburg, Essen, Frankfurt, München und Leipzig zu, die Horn gemeinsam mit CEO Claudius Senst persönlich besuchte. Die Stimmung war aufgeheizt, denn bei vielen sorgt die Radikalität, mit der nun vorgegangen wird, für Unmut. Und nicht nur das: Immer wieder ging es in der vergangenen Woche um die Art und Weise, wie Mitarbeitern die Zäsur beigebracht worden ist. Besonders Horn wurde für mangelnde Empathie kritisiert, sogar Häme wurde ihr vorgeworfen. Der Grund: Der Chefredakteurin waren in der vergangenen Woche bei einer Ansprache an die Mitarbeiter unbeholfen wirkende Lacher entglitten. Bei einem All-Hands-Meeting mit der Belegschaft ließ sie sich vereinzelt zu Witzen hinreißen. Auch in den Besprechungen vor Ort habe Horn nüchtern und streng gewirkt, bei Kritik bisweilen schnippisch, berichten Teilnehmer. Die Chefredakteurin sei überrascht gewesen, betonte in der vergangenen Woche mehrfach, sie wolle nicht den Eindruck erwecken, dass ihr die Maßnahmen leicht fielen. Lacher und Witze bezeichnete sie als „Übersprungshandlung“.

Unternehmenspräsentation: So will sich Bild in den Regionen zukünftig aufstellen

Für Erregung sorgt aber auch etwas anderes: Gegenüber der Führung wächst das Misstrauen hinsichtlich des Versprechens, die Redaktion von den Maßnahmen unberührt zu belassen. Hier hatte sich Springer in den vergangenen Monaten bereits eine eigene Definition zurechtgelegt, nach der man damit nur schreibende Redakteure und Reporter meinte. Foto- und Videoreporter klammerte man genauso aus wie Produktionsredakteure.

Für die Skepsis sorgt eine Unternehmenspräsentation, die Horn und Senst auf ihrer Tour vorgestellt haben. Sie zeigt unter anderem, wie sich Bild zukünftig regional aufstellen will.

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Marvin Schadehttps://medieninsider.com
Marvin ist Co-Gründer und Founding Editor von Medieninsider und hat sich damit einen kleinen Traum erfüllt. Vor der Gründung war er mehrere Jahre für den Branchendienst Meedia in Hamburg und Berlin tätig, arbeitete kurz beim Focus Magazin und zuletzt für Gabor Steingarts Morning Briefing.

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