Was Arbeitgeber für die mentale Gesundheit tun

Die Corona-Pandemie hat viele Medienunternehmen dazu gezwungen, ihre Arbeits- und Produktionsprozesse umzustellen und Mitarbeitern das Arbeiten im Home Office zu ermöglichen. Für viele Mitarbeiter, die sich nach mehr Flexibilität gesehnt haben, mag die Entwicklung grundsätzlich eine erfreuliche sein. Der Lockdown aber führt zu mehr Zeit in den eigenen vier Wänden, als manchen lieb ist. Für Familien wird die Zeit mit mehreren Menschen auf begrenztem Raum und gleichzeitigem Home-Schooling zum Stresstest, Alleinstehenden droht soziale Isolation.

Zwar hat sich die Produktivität in vielen Redaktionen während des Lockdowns erhöht, wie eine Befragung des Reuters Institutes in Oxford ergab, allerdings zeigten sich Führungskräfte mit Blick auf Kreativität und mentaler Belastung ebenso besorgt.

Was können Arbeitgeber für die physische und psychische Gesundheit ihrer Mitarbeiter tun?

Diese Frage hat Medieninsider vor zwei Wochen im Lese-Letter gestellt und die Community dazu aufgerufen, Maßnahmen oder Aktionen – ob aus dem eigenen Unternehmen oder fremden – zu teilen. Uns haben dutzende Zuschriften und Vorschläge erreicht, in denen Aktionen für Bewegung im Home-Office, Achtsamkeit oder für den Austausch untereinander vorgestellt worden. Medieninsider fasst einige von ihnen zusammen.

Bewegung und Einrichtung des Arbeitsplatzes

Geschlossene Fitnessstudios und Vereine, gepaart mit kalten Temperaturen führen automatisch zu weniger Bewegung, die Arbeit am – nicht immer optimal eingerichteten – Schreibtisch zur körperlichen Belastung. Die Medieninsider-Community hat hier vor allem drei Maßnahmen geteilt.

► Arbeitgeber teilen im Intranet oder über eigene Newsletter nicht nur allgemein aktuelle Informationen rund um das Coronavirus und die Auswirkungen auf das Arbeitseben, sondern Informationsmaterial zur Einrichtung des Arbeitsplatzes, von der richtigen Positionierung bis hin zur Einstellung des Lichts.

► Manche Arbeitgeber bezuschussen die Einrichtung des Arbeitsplatzes im Home Office, beispielsweise für die Anschaffung eines geeigneten Bürostuhls.

► Einige Arbeitgeber haben ihre Mitarbeiterprogramme digitalisiert, bieten digitale Fitness-Work-outs oder Yoga-Kurse an – live oder on demand. Um Mitarbeiter zur Teilnahme zu animieren, überlegen sich manche Arbeitgeber gezielte Aktionen. So koppelte beispielsweise Statista in der Vorweihnachtszeit eine Fitnesschallenge mit 5- bis 10-minütigen Workouts an eine Spendenaktion.

Achtsamkeit und psychologische Betreuung

Wer seine Ruhe hat, kann am Schreibtisch schon einmal schnell die Zeit vergessen. Anderen fällt es schwer, zwischen Zoom-Calls, Telefonaten und womöglich noch der Kinderbetreuung abzuschalten. Auch die Erreichbarkeit über die normalen Arbeitszeiten hinaus können belasten.

► Manche Arbeitgeber haben neben den sportlichen Aktivitäten auch Meditationsangebote ins Home-Office-Programm aufgenommen. Wer kann, greift dabei auf eigene Ressourcen zurück. Gruner + Jahr beispielsweise nutzt die Expertise aus einer eigenen Mediatations-App, auch das ZDF hat eine eigene Online-Reihe aufgelegt.

► Auf gezielte Nachfrage bei Unternehmen verweisen die größeren auch auf die eigenen Betriebsärzte oder Sozialberatungen. Beim Wort&Bild-Verlag wurde neben dem hauseigenen „Vertrauensarzt“ auch eine externe Telefonberatung eingerichtet.

► Neben den Programmen für Mitarbeiter wird teilweise auch an das familiäre Umfeld gedacht. Ebenfalls im Wort&Bild-Verlag werden Sport- und Musikprogramme auch für Kinder angeboten, derzeit werde auch eine Tauschbörse für Spielzeug eingerichtet.

Austausch und Socialising

Ein ebenfalls in der Corona-Pandemie bedeutender Unterschied ist der kollegiale Austausch. Im Home-Office läuft selten mal eine Kollegin am Schreibtisch vorbei, in der Kaffeeküche führt man eher Selbstgespräche. Das After-Work-Bier funktioniert zwar auch digital, schmeckt vielleicht aber nicht so gut. An einigen Stellen wird versucht, digitales Netzwerken kreativer zu lösen als üblich.

► Mehrere Medieninsider-Mitglieder aus unterschiedlichen Unternehmen berichten von digitalen „blind dates“. Dafür werden Mitarbeiter unterschiedlicher Abteilungen per Zufallsprinzip zusammengebracht, um sich bei einem virtuellen Kaffee mal auszutauschen. Für die Software-Lösung gibt es mittlerweile sogar schon eigene Anbieter.

► In einzelnen Unternehmen wurden auch spezielle Austausch-Programme zwischen Mitarbeitern und Führungskräften entwickelt. Entweder nehmen sich Führungskräfte regelmäßig bewusst oder auch auf Nachfrage Zeit für Mitarbeiter-Belange, oder richten sich nach Formaten. Das reicht von klassischen Feedbdack-Gesprächen bis hin zu „Entertainmentterminen“, in denen Führungskräfte Mitarbeiter während der Arbeitszeit beispielsweise mit kurzen Spielen überraschen.

► Letztlich bleibt noch das Engagement der Angestellten untereinander. Gemeinsame, digitale Escape-Games, digitales Kochen oder auch FaceTime-Spaziergänge in der Mittagspause tragen dazu bei, dass die Arbeit nicht immer nur im Vordergrund steht.


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Die Corona-Pandemie hat viele Medienunternehmen dazu gezwungen, ihre Arbeits- und Produktionsprozesse umzustellen und Mitarbeitern das Arbeiten im Home-Office zu ermöglichen. Für viele Mitarbeiter, die sich nach mehr Flexibilität gesehnt haben, mag die Entwicklung grundsätzlich eine erfreuliche sein. Der Lockdown aber führt zu mehr Zeit in den eigenen vier Wänden, als manchen lieb ist. Für Familien wird die Zeit mit mehreren Menschen auf begrenztem Raum und gleichzeitigem Home-Schooling zum Stresstest, Alleinstehenden droht soziale Isolation.

Zwar hat sich die Produktivität in vielen Redaktionen während des Lockdowns erhöht, wie eine Befragung des Reuters Institutes in Oxford ergab, allerdings zeigten sich Führungskräfte mit Blick auf Kreativität und mentaler Belastung ebenso besorgt.

Was können Arbeitgeber für die physische und psychische Gesundheit ihrer Mitarbeiter tun?

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Marvin Schade
Marvin Schadehttps://medieninsider.com
Marvin ist Co-Gründer und Founding Editor von Medieninsider und hat sich damit einen kleinen Traum erfüllt. Vor der Gründung war er mehrere Jahre für den Branchendienst Meedia in Hamburg und Berlin tätig, arbeitete kurz beim Focus Magazin und zuletzt für Gabor Steingarts Morning Briefing.

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