Das Problem des Journalismus in der Nische

„Der Reichtum steckt in der Nische“ ist eines der unerträglichsten Klischees. Ich stimme dem natürlich zu, denn wenn man sich auf bestimmte Bereiche konzentriert und dort detailliert und tiefgründig arbeitet, hat man im Allgemeinen gute Chancen auf nachhaltigen Erfolg. Das ist eine Veränderung gegenüber dem letzten Zyklus in der Medienbranche, als ein Großteil der Aufmerksamkeit auf mit Risikokapital finanzierten Publikationen lag. Diese haben einen generalistischen Ansatz verfolgt, um möglichst viele Menschen zu erreichen. Aber: Es ist schwer, für alle alles zu sein.


Der Artikel erschien zuerst bei The Rebooting von Brian Morrissey.
Wir übersetzen einmal im Monat einen seiner Texte.


Die Flucht in die Fokussierung auf eine Nische hat eine Folge:

Man fokussiert sich auf Eliten als Zielgruppe, weil hier der geringste Widerstand zu erwarten ist. Schließlich leben wir in einer Zeit beispielloser Einkommensungleichheit, in der die oberen zehn Prozent der amerikanischen Bevölkerung 70 Prozent des Reichtums besitzen. Die große Resignation und die Anti-Arbeits-Bewegung sind auf ihre Weise eine Reaktion auf dieses Ungleichgewicht zwischen den Klassen der Kapitalbesitzer und der Arbeiter. Die Zeiten, in denen man es durch ständiges Vorankommen auf seinem Karriereweg „schaffte“, sind vorbei; kein Wunder, dass die Leute auf Affen-JPEGs und Shitcoins abfahren.

Die Nischen der Eliten

Wir beobachten die Entstehung vieler neuer Publikationen. Sie reichen von individuellen Marken über neue Kollektive bis hin zu regulären institutionellen Marken. Es gibt eine oft geübte und berechtigte Kritik: Sie richten sich an reiche und einflussreiche Leute. Wie Jay Rosen hat es so ausgedrückt:

„Gebildete und wohlhabende Menschen werden im Entwicklungsmarkt für Nachrichten gut bedient.“

Und das liegt daran, dass man Geld verdienen kann, wenn man ein Publikum – Entschuldigung, eine Gemeinschaft – von reichen Leuten hat.

Jack Schafer machte sich über die Gleichförmigkeit der Beschreibungen der Aufgaben vieler neuer Publikationen und die Tendenz, in Klischees zu verfallen, lustig. Noch besorgniserregender ist vielleicht, dass viele dieser Publikationen auf dieselbe Art von reichen Menschen abzielen. Puck, wo ich mitarbeite, konzentriert sich auf „Insider“ (reiche Leute). Protocol, der Politico-Ableger, konzentriert sich ebenfalls auf Insider. Punchbowl News, auch Insider.

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Brian Morrisseyhttps://therebooting.substack.com/
Brian Morrissey ist Herausgeber von The Rebooting. Der US-Journalist und Medienanalyst befasst sich dort mit dem Wandel der Medienbranche und ihren Geschäftsmodellen. Zuvor war Brian fast zehn Jahre President und Chefredakteur von Digiday.

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