Podimo: Zwischen Podcast-Pionier und Nischen-Plattform

Podimo will sich als Partner für Podcaster verstanden wissen und als solcher neue Monetarisierungsmöglichkeiten für Produzenten und Hosts etablieren. Dafür setzt das dänische Start-up nicht auf Werbung, sondern auf Umsätze aus Mitgliedschaften, an denen Podcasts mitverdienen sollen. Auch Publisher arbeiten mit der Plattform zusammen und testen, ob mit Podcasts ein Paid-Content-Geschäft zu machen ist. Nach einem holprigen Start ist Podimo nun seit bald einem Jahr am deutschen Markt – ein Vor-Ort-Besuch in Berlin und eine Zwischenbilanz. 

Die Zukunft der Podcasts wird in einem Hinterhof in Berlin Mitte gemacht – zumindest, wenn es nach Nicolaus Berlin geht. Dafür braucht es aktuell noch etwas Vorstellungskraft. In vielerlei Hinsicht. 

Der Deutschland-Chef von Podimo empfängt in weitgehend leeren Räumen. Lediglich ein Sofa, ein Konferenztisch und ein paar Schreibtische und Stühle stehen hier – herrenlos auf weiter Flur, vor kahlen, weißen Wänden. Jedes Geräusch endet in einem Hall. Noch im Laufe des Tages soll sich das aber ändern – heute, an einem Tag Ende September, ist Umzugstag.

Hier in einem Hinterhof am Gipspark hat Podimo gerade neue Büroräume angemietet. Wo vorher ein Company-Builder – ein Unternehmen, das Unternehmen dabei begleitet, eigene Start-ups zu gründen – war, soll jetzt ein „Ökosystem für Podcaster“ entstehen. So beschreibt Berlin seine Idee für die angemieteten vier Etagen, in die demnächst auch eine Produktionsfirma einziehen soll, mit der man bereits eng zusammenarbeite. In einer renovierten Garage im Hof soll noch ein Tonstudio eingerichtet werden, in dem Podcaster ihre neuen Folgen aufnehmen können. Wie gesagt; es braucht noch Vorstellungskraft.

„Wir müssen Geschäftsmodelle nachziehen“

Anders beim Produkt, das Berlin und Team vergangenes Jahr im November in Deutschland gelauncht haben: Über eine technische Schnittstelle hat sich Podimo alle via Apple Podcast-App verfügbaren Podcasts einverleibt, Hunderttausende seien es insgesamt, sagt Berlin, etwa 17.000 auf Deutsch. Das schafft Masse, aber keine Klasse. Aufwerten will Podimo – wie es auch Spotify, Audible und andere machen – über exklusive Inhalte. Wer sie hören will, muss zahlen. 4,99 Euro verlangt Podimo für ein monatliches Abo, das es mit einem besonderen Versprechen verknüpft: Podcaster sollen an den Umsätzen mitverdienen. 

Podimo-Deutschlandchef Nicolaus Berlin

Die Podcasts-Branche sei nämlich sei „extrem untermonetarisiert“, meint Berlin. Tatsächlich ist selbst der Werbemarkt noch klein, für 2020 prognostiziert der Bundesverband Digitale Wirtschaft einen Jahresumsatz von nur 14 Millionen Euro, allerdings sind die Wachstumsraten beachtlich: 2019 waren es noch 9 Millionen Euro Werbeumsatz. Vom Podcast-Boom spüren finanziell aber nur die Großen etwas, sagt Berlin. Aus Branchenkreisen ist ähnliches zu hören: Zwar ist da von Tausender-Kontakt-Preisen um die 120 Euro ist die Rede – allerdings nur, wenn die Podcasts prominent sind und die Hosts als Werbesprecher dienen. 

Für den Großteil der Produktionen stehen Kosten und Erlöse laut Berlin aber in keinem Verhältnis: „Die Preise, die man derzeit pro Episode bezahlt, sind kaum wieder einzuspielen.“ In einem Wachstumsmarkt sei das zwar üblich. „Wir müssen die Geschäftsmodelle aber rechtzeitig nachziehen.“ 

Was lässt sich mit Podimo verdienen?

„Content muss honoriert werden“, sagt Berlin. Podimo verspricht Podcastern, die ihre Inhalte exklusiv über die Plattform vertreiben, daher eine Umsatzbeteiligung von 50 Prozent, gemessen an der Hördauer pro Premium-Mitglied. Heißt: Gewinnt der Podcaster 100 Prozent der Zeit eines einzelnen Nutzers, spült ihm das knapp 2,50 Euro in die Kasse, bei 80 Prozent Aufmerksamkeit eines einzelnen Nutzers sind es demnach noch 2,00 Euro. Je mehr Podcasts der Nutzer aber hört, desto geringer wird der reale Umsatz. Ob sich das lohnt? Ein Rechenbeispiel:

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Wie sich Podimo gegenüber dem umfassenden Wettbewerb positioniert

Welche Formate Nicolaus Berlin und sein Team beim Ausbau fokussieren und wie ihr derzeitiges Publikum aussieht

Inwiefern Podcaster über den Revenue Share hinaus von Podimo unterstützt werden sollen

Wie Publisher auf die Plattform blicken und Podimo weiter wachsen will

Marvin Schade
Marvin Schadehttps://medieninsider.com
Marvin ist Founding Editor von Medieninsider und hat sich damit einen kleinen Traum erfüllt. Vor der Gründung war er mehrere Jahre für den Branchendienst Meedia in Hamburg und Berlin tätig, arbeitete kurz beim Focus Magazin und zuletzt für Gabor Steingarts Morning Briefing.
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