Wie alles begann

„Ich habe über unser Gespräch gestern nachgedacht. …“

So leitet man eigentlich keine guten Nachrichten ein. Diese hier aber schon.

„… Ich werde das Projekt angehen, wenn du mit dabei bist“, lautete meine Nachricht an Matthias.

Es war einer dieser noch dunklen Tage im Frühjahr, es lag ein langer Abend mit einem guten Gespräch und ebenso guten Cocktails hinter uns. Der obligatorische Kater blieb aber aus, der Rausch der Nacht verwandelte sich ausnahmsweise nicht in Kopfschmerzen, sondern in Motivation. Ich hatte mich entschieden: Ich will mich selbstständig machen und gründen. Ein Medienmagazin, vor allem leserfinanziert. Ohne großes Startkapital. Vielleicht war ich doch noch betrunken. Und Matthias womöglich auch.

Matthias antwortete:

„Klar, ich bin immer für so etwas zu haben.“

And here we are.

Ich war unbefristet festangestellt und gut bezahlt – aber irgendetwas hat gefehlt.

Der Entscheidung im Frühjahr ging etwa ein Jahr mit gewisser Frustration voraus – was vor allem an mir selbst lag. Denn objektiv gesehen war meine Lage gut. Ich war fest angestellt, sogar unbefristet und mit einem ganz guten Gehalt. Ich arbeitete in einem viel beachteten journalistischen Start-up, in dem gerade alles andere als gespart wurde, arbeitete an einem ebenso vielbeachteten Produkt. Um mich herum ist tagtäglich viel passiert. Politiker, Wirtschaftsbosse sowie zahlreiche andere Menschen, die etwas zu sagen oder mitzuteilen hatten, gingen in der Redaktion ein und aus. Nebenher konnte man dem Unternehmen quasi wöchentlich beim Wachsen zusehen – und das mit wirklich tollen und sympathischen Kollegen. Es herrschte Aufbruchstimmung – das kommt in unserer Branche bekanntermaßen nicht häufig vor. Glücklich war ich trotzdem nicht.

Denn für die vergleichsweise luxuriösen Konditionen wurde einiges abverlangt. Ich arbeite viel und gerne, aber selbst für meine Verhältnisse war die so genannte Work-Life-Balance in Schieflage geraten. Meine Wohnung war nur noch zum Schlafen da. Es ist ein hoher Preis, den man gerne zahlt – wenn es denn der Job ist, für den man brennt.

Ich bin kein Politik- oder Finanzjournalist. Ich bin Medienjournalist. Dass ich einer werden wollte, wusste ich schon früh, volontierte deshalb bei einem Mediendienst und fühlte mich von Beginn an in dem Metier angekommen. „Finde dein Thema, spezialisier dich“, hatten sie schon in der Uni immer gesagt. Ich hatte es getan und bis dahin keineswegs bereut. Ich erhoffte mir, meiner Leidenschaft auch bei anderen Medien nachkommen zu können. Jetzt fehlte mir jedoch die Perspektive. Medienjournalismus ist in vielen Redaktionen – vor allem in Publikumsmedien – nicht mehr als ein Nebenjob.

Wenn ich den passenden Job nicht finde, schaffe ich ihn mir selbst

Die Erfüllung durch den Job ist für mich so etwas wie ein Grundbedürfnis, im Zweifel ist sie mir wichtiger als ein gutes Gehalt (am schönsten ist natürlich beides). Es musste also Veränderung her. Doch auch hier war der Mangel an Perspektiven größer als das Angebot. Bei einigen Fachpublikationen wollte ich mich nicht bewerben, Gespräche mit anderen liefen auf nicht mehr hinaus als freie (so lala bezahlte) Tätigkeit.

Und so kam es zu besagtem Abend am 4. Februar. Matthias redete nicht lange um den heißen Brei herum. „Du weißt doch genau, was du machen willst. Dann mach es halt selbst.“

Es einfach selbst versuchen? Und meine Miete? Und meine Rente?? Hab ich überhaupt das Zeug für eine Selbstständigkeit, für ein eigenes Magazin??? Ich meine; das ist schon nicht ohne! Was, wenn das alles nicht klappt und ich am Ende ohne alles dastehe????

Ein zwei Drinks später waren die Sorgen nicht weg, sie waren aber betäubt. Immer mehr reifte in mir der Gedanke: Statt Artikel für andere zu schreiben und Lala-Honorare zu kassieren, kann ich es tatsächlich auch selbst machen – möglicherweise kommt sogar mehr dabei herum. Eine eigene Marke aufzubauen kann nicht schaden. Mit einem mittlerweile ganz guten Netzwerk und großem Willen sind wichtige Grundvoraussetzungen schon mal erfüllt. Und auch unternehmerische Kenntnisse aufzubauen, ist sicher keine dumme Idee. Ich könnte mir aussuchen, wie ich arbeite. Und wann (im Zweifel immer). Immerhin hätte ich das Schicksal dann in meiner eigenen Hand – und zeugt es nicht auch von Mut? Möglicherweise gibt es mehr zu gewinnen als zu verlieren.

Nicht für irgendeinen Ressortleiter oder Chefredakteur zu schreiben, sondern direkt für den Leser, fand ich zudem eine spannende Herausforderung.

Ich bin froh über diesen Abend. Ich bin froh, dass Matthias mich nicht nur auf Ideen bringt, sondern sie gleich mit umsetzt und bereit ist, seine Kenntnisse und Erfahrungen aus bisherigen Gründungen mit einzubringen.

Wir wissen nicht, wie lang diese Reise hier gehen wird und wohin sie führt. Ich freue mich aber darauf. Und ich freue mich, dich mit diesem Blog auf die Reise mitzunehmen.

Mehr über unsere Erfahrungen als Unternehmer findest du in unserem Gründer-Blog.

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Marvin Schade
Marvin Schadehttps://medieninsider.com
Marvin ist Co-Gründer und Founding Editor von Medieninsider und hat sich damit einen kleinen Traum erfüllt. Vor der Gründung war er mehrere Jahre für den Branchendienst Meedia in Hamburg und Berlin tätig, arbeitete kurz beim Focus Magazin und zuletzt für Gabor Steingarts Morning Briefing.

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