Funke baut Unternehmen um und entlässt Geschäftsführung

Ausgabe #29/21

Hallo Medieninsider!

Schön, dass du dabei bist! Was dich in dieser Woche im Lese-Letter unter anderem erwartet:

► Tipps für eine bessere Cybersicherheit

► Bild trennt sich von zwei Druckereien 

► Funke strukturiert sich neu

► CNN startet einen Streamingdienst

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Safety first

Es ist eine aufwendig inszenierte Veröffentlichung – zu Recht und mit entsprechender Wucht: Anfang dieser Woche begannen Medien auf der ganzen Welt ihre monatelangen Recherchen zur Pegasus-Affäre offenzulegen. Organisiert hat sie Forbidden Stories, ein internationales Recherchekollektiv mit Sitz in Paris. Viele der weltweit bekanntesten Investigativreporter gehören ihm an, zahlreiche renommierte Medien haben sich dort organisiert: Die Washington Post, der GuardianLe Monde – aus Deutschland NDRWDR, die Süddeutsche Zeitung und Die Zeit

Pegasus ist eine Spionageapp, die dabei helfen soll, Kriminelle auszuspähen, illegalen Machenschaften auf die Schliche zu kommen. Pegasus ist auch eine App, die von Geheimdiensten benutzt wurde, um unliebsame Personen bis ins Detail zu überwachen – Menschenrechtsaktivisten, Oppositionelle, hochrangige Politiker und Journalisten. Die Pegasus-Affäre ist keine der Massenüberwachung, sondern der gezielten und präzisen Ausspähung einzelner Menschen von gesellschaftlicher Bedeutung. 

► 50.000 potenziell ausgespähte Telefonnummern liegen Forbidden Stories vor. 180 davon sind auf Journalisten zurückzuführen.

► Pegasus wurde offenbar im Fall um den ermordeten Journalisten Jamal Kashoggi angewendet, der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán ließ offenbar die letzten unabhängigen Journalisten von Direkt36 damit überwachen. Und auch die Telefonnummer von Roula Khalaf, Chefredakteurin der Financial Times,taucht unter den 50.000 Nummern potenzieller Opfer auf. 

► Die App lässt sich per Phishing-Nachrichten installieren, aber auch völlig unbemerkt und ohne Zutun der Zielobjekte. Auch deshalb wird es als „trojanisches Pferd mit Flügeln“ beschrieben.

► Ist die App einmal auf dem Smartphone installiert, lässt sich mit ihr die komplette Kontrolle übernehmen – Nachrichten können gelesen, Kamera und Mikrofon von außen gesteuert werden. Auch verschlüsselte Dateien sind nicht sicher. 

Die Pegasus-Affäre ist eine gute Gelegenheit für jeden Journalisten, über eigene Sicherheitsaspekte nachzudenken und sich darüber zu informieren, was jeder einzelne tun kann, um möglichst verantwortungsvoll mit Daten umzugehen. 

Dafür habe ich mit Jochim Selzer gesprochen. Er ist Mitglied im Chaos Computer Club, einer der größten und angesehensten Hackervereinigungen Europas. Zwar sagt er:

„Es gibt keine perfekte IT-Sicherheit, genauso wie es generell keine perfekte Sicherheit gibt“

Trotzdem hat er ein paar Tipps speziell für Journalisten, wie sie sich und ihre Arbeit besser schützen können. Das Interview mit dem IT-Experten kannst du als Medieninsider hier lesen


Holger Stark (Die Zeit) im Gespräch mit Marvin Schade im Directors‘ Club von Medieninsider. Foto: Matthias Bannert

Für die Zeit an den Pegasus-Recherchen beteiligt war unter anderem Holger Stark, stellvertretender Chefredakteur und Investigativchef der Wochenzeitung. Im Mai war er Gast in unserer ersten Ausgabe des Directors‘ Club. Auch dort haben wir über die Sicherheit von Journalisten gesprochen, darüber, wie er sich, seine Informanten und Informationen schützt. Das komplette Interview mit Holger Stark kannst du als Director-Mitglied hier ansehen

Mehr aus der Directors‘ Club-Mediathek:

► Arist von Harpe über seine Motive für den Kauf der Hamburger Morgenpost, Paid-Content-Pläne und neue Ideen für die Vermarktung. Zum Video und zur Zusammenfassung

► Katrin Gottschalk, Produktchefin und Vize-Chefredakteurin der taz, über Transformation und eine papierlose Zukunft. Zum Video und zur Zusammenfassung.


Ende einer Tradition

Bild-Druckerei Bechtle in Esslingen bei Stuttgart, Foto: Bechtle Verlag&Druck
Bild-Druckerei Bechtle in Esslingen bei Stuttgart, Foto: Bechtle Verlag&Druck

Axel Springer und die Verlegerfamilie Bechtle verband eine persönliche Freundschaft. Der Gründer des heutigen Springer-Konzerns besuchte die Familie sogar in für ihn unsicheren Zeiten – damals während der Studentenproteste als ihre Zeitung (Esslinger Zeitung) 100 Jahre alt wurde und Springer unter Polizeischutz stand.

1968 ließ Springer bereits Teile der Auflage von Bild in Bechtles Druckerei bei Stuttgart drucken. Die vielen Standorte ermöglichten Deutschlands größter Boulevardzeitung höchste Aktualität, weil sie Wege in die Verbreitungsgebiete verkürzten. 2022 wird diese bald 60-jährige Tradition enden. 

Zum Jahreswechsel will Axel Springer die auslaufenden Verträge mit der Druckerei in Esslingen sowie einem weiteren Dienstleister nicht verlängern, zukünftig an nur noch fünf statt wie bislang sieben Standorten drucken. Das hat Auswirkungen auf die Andruckzeiten der Zeitung – und damit auf redaktionelle Abläufe. Mehr darüber erfährst du im Artikel, den du als Medieninsider hier lesen kannst


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Mehr News & Entdeckungen aus der Woche

zusammengetragen von Florian Boldt

Neue Unternehmensstruktur nach Funke-Übernahme – Geschäftsführer Schoo und Wüller müssen gehen

Die Grotkamp-Erben um Verlegerin Julia Becker bauen die Funke-Mediengruppe um: Konzern-Geschäftsführer Andreas Schoo und Michael Wüller und Michael Geringer, Geschäftsführer der Funke-Zeitschriften, verlassen das Unternehmen. Christoph Rüth bleibt und übernimmt die Verantwortung für die Regionalmedien und Digitales. Neu im Management ist Andrea Glock, zuständig für Unternehmensentwicklung und Services. Simone Kasik wird CFO. Bianca Pohlmann und Jochen Beckmann übernehmen die Verantwortung für die Zeitschriften.

Die neuen Verantwortungen sollen in den kommenden zwei Jahren eine „schlanke Holding“ mit „Spartenstruktur“ widerspiegeln. Vorgesehen sind die Sparten Regionalmedien, Zeitschriften und Digitales. Dazu kommt ein „Center of Excellence“, in dem unter anderem die IT- und Rechtsbereiche angesiedelt werden. Die Funke-Mitteilung findest du hier, weitere Hintergründe beispielsweise hier bei Horizont.

ProSiebenSat.1erhöht Jahresprognose 

ProSiebenSat.1 rechnet nach dem zweiten Quartal 2021 mit besseren Zahlen als bisher erwartet. Der Jahresumsatz soll auf 4,4 bis 4,5 Milliarden Euro steigen – zwischen neun und elf Prozent über Vorjahr. Bisher hatte der Medienkonzern mit einem Umsatz zwischen 4,25 und 4,45 Milliarden Euro geplant. Der operative Gewinn soll bei 820 Millionen Euro – plus/minus 20 Millionen Euro – liegen, zuvor hatte ProSiebenSat.1 750 bis 800 Millionen Euro erwartet. Anlass für die nach oben korrigierte Prognose sei „die dynamische Steigerung der Werbeeinnahmen“ im zweiten Quartal, das Werbegeschäft habe sich „deutlich kräftiger als erwartet von den Einflüssen der Covid-19-Pandemie erholt“. Mehr Informationen dazu findest du hier.

BDZV, dju und DJV schließen Corona-Einigung für 2021

Der Verlegerverband BDZV hat sich mit den Gewerkschaften DJV und dju auf einen „Tarifvertrag zur Sicherung der Tarifrunde 2021“ geeinigt und setzen den Corona-Tarifvertrag aus 2020 damit fort. Die Regelung sieht vor, dass Vollzeit-Redakteure bei Tageszeitungen drei zusätzliche freie, bezahlte Tage erhalten. Für Redakteure in Teilzeit gilt eine anteilige Regelung, freie Mitarbeiter haben bei coronabedingten Mindereinnahmen Anspruch auf ein durchschnittliches Monatshonorar aus dem Vor-Coronazeitraum. Gehalts- oder Lohnerhöhungen sowie Bonus-Zahlungen bleiben weiter aus. Dafür soll innerhalb der Redaktionen weiterhin Kündigungsschutz gelten. Im Herbst sollen die Verhandlungen über einen neuen Gehaltstarifvertrag ab 2022 beginnen.

Augsburger Allgemeine überarbeitet Sprach-Richtlinien

Die Augsburger Allgemeine verzichtet künftig auf das generische Maskulinum und will auf eine geschlechtergerechte Sprache achten. Die Redaktion setze auf Formulierungen wie zum Beispiel „Lehrerinnen und Lehrer“ oder neutrale Formen wie „Lehrkräfte“. Genderzeichen wie Sternchen, Unterstriche oder Doppelpunkte wird die Augsburger Allgemeine allerdings nicht verwenden. Chefredakteur Gregor Peter Schmitz erklärt hier ausführlich die Entscheidung seiner Zeitung.

CNN startet 2022 Streamingdienst CNN+

Der US-Nachrichtenkanal CNN erweitert sein Portfolio um einen eigenen Streamingdienst. CNN+ soll im 1. Quartal 2022 starten und zunächst zwischen acht und zwölf Stunden eigenes Live-Programm produzieren. Dazu kommen produzierte Serien, Inhalte aus dem CNN-Archiv und eine „interaktive Community“. 450 neue Mitarbeiter will das zu WarnerMedia gehörende Network für die neue Plattform einstellen. Zunächst startet CNN+ in den USA, international wird das Angebot zu einem späteren Zeitpunkt ausgerollt. Details zu den geplanten Eigenproduktionen, zur Live-Strecke und zu möglichen Abomodellen gibt es noch nicht. Die CNN-Ankündigung findest du hier.

Twitter schafft Fleets schon wieder ab

Im August schaltet Twitter die Story-Funktion nach nur acht Monaten wieder ab. Das soziale Netzwerk beendet damit den Testlauf des Instagram-Klons. Ilya Brown, Vice President Product bei Twitter, erklärt das Fleets-Aus hier.

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Aus dem Personalticker:

► Von Bunte zu BildTanja May wird stellvertretende Chefredakteurin

► Holtzbrinck: CFO Jens Schwanewedel geht, Björn Waldow übernimmt

► Seven.One Entertainment baut Führungsteam um – Andreas Kösling geht


Komm zum Medieninsider-Meetup!

Medieninsider-Gründer Matthias Bannert (l.) und Marvin Schade (r.). Foto: Steven Siebert
Medieninsider-Gründer Matthias Bannert (l.) und Marvin Schade (r.). Foto: Steven Siebert

Am 5. August um 16.00 Uhr wollen Matthias und ich uns wieder mit unserer Medieninsider Community zusammenschalten, uns kennenlernen, über aktuelle Themen und deine Sicht auf Medieninsider sprechen – vorausgesetzt natürlich, du bist dabei! 

Als Medieninsider kannst du dich hier zum Meet-up anmelden und dir den Termin in den Kalender eintragen. Dort hinterlegt sind dann auch die Zugangsdaten zum Treffen bei Google Meet!


Wie du helfen kannst, Medieninsider bekannter zu machen

Medieninsider soll innerhalb der Branche noch bekannter werden – und es wäre toll, wenn du dabei hilfst! So wie der Kollege Sebastian Meineck:

Kleine Gesten reichen schon aus – wie ein Retweet bei Twitter oder das Teilen unserer Artikel in anderen Netzwerken! Damit zeigst du deiner Community, dass Medieninsider relevante Informationen verbreitet und hilfst deiner Community dabei, uns zu entdecken!


Lesetipp

Ich beende den Newsletter in dieser Woche mit dem Thema, mit dem wir eingestiegen sind: Dem Pegasus Project. Die umfangreichen Recherchen zur Spionage-App, ihren Anwendern und deren Opfern sind der Lesetipp der Woche. Nachdem sich die Veröffentlichungen zu Beginn der Woche zunächst um die möglicherweise ausgespähten Journalisten drehten, legten die internationalen Rechercheure am gestrigen Abend nach und legten offen, welche hochrangigen Politiker offenbar angezapft worden sind. Darunter der französische Präsident Emmanuel Macron.

Die Süddeutsche hat ein anschauliches Storyformat gelauncht und auch die Zeit fährt einen großen Schwerpunkt. Besondere Empfehlung: das Interview mit der ausspionierten Journalistin Dominique Simonnot.

Und auch IT-Experte Jochim Selzer hinterlässt einen Linktipp. Auch das Organized Crime and Corruption Reporting Project hat eine eigene Seite zum Pegasus Project gelauncht. Hier finden sich alle Namen, die von den Rechercheuren bislang aufgedeckt worden sind, sortiert beispielsweise auch nach Herkunftsländern der Opfer und Staaten der Täter. Mehr dazu findest du hier und hier.

Ich wünsche dir noch eine schöne Woche! 

Viele Grüße sendet dir

Marvin

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INSIGHT #2

Berichte, Analysen, Wortlautprotokolle: Alle Medieninsider-Artikel zur Causa Reichelt in einem Dossier auf 68 Seiten.

Marvin Schadehttps://medieninsider.com
Marvin ist Co-Gründer und Founding Editor von Medieninsider und hat sich damit einen kleinen Traum erfüllt. Vor der Gründung war er mehrere Jahre für den Branchendienst Meedia in Hamburg und Berlin tätig, arbeitete kurz beim Focus Magazin und zuletzt für Gabor Steingarts Morning Briefing.

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