Journalistenausbildung in der Krise

Hallo Medieninsider!

Für einen aussichtsreichen Start in 2023 haben wir auch in diesem Jahr wieder zahlreicher Branchenexperten nach ihren Prognosen und Wünschen gefragt. So haben wir viele Perspektiven auf unterschiedliche Bereiche wie Social Media, Vertrieb und neue Technologien zusammengetragen. Ein Thema, das für mich überraschenderweise unterging: die Ausbildung neuer Journalistengenerationen. 

Ohne Frage wird 2023 ein Jahr, in dem es darum geht, einen weiteren Brain Drain zu vermeiden. Die Förderung neuer Talente gehört aber zweifelsohne dazu. Auch wenn die meisten Kaderschmieden weiterhin behaupten, Hunderte Bewerbungen für ihre neuen Jahrgänge zu erhalten: Dem Vernehmen nach sind die Bewerberzahlen schon seit einigen Jahren schlecht wie nie. 

Die Umstände für Ausbildung werden immer schwieriger. In vielen Verlagen müssen die Verantwortlichen für den Nachwuchs immer wieder hart für ihre Interessen kämpfen – und das in einer Zeit, in der das Ansehen und Attraktivität des Journalismus eher schwinden.

Deutlich wird das auch bei der Bezahlung angehender Journalisten. Wirklich etwas verändert hat sich hier: nichts. Wie schwierig die Umstände sind, spürt derzeit auch Benjamin Fredrich. Der Katapult-Gründer wird oft als Hoffnungsträger für die Branche gesehen, sein Erfolgsmodell: Er geht die Dinge grundsätzlich anders an als alle anderen. Das gilt nun auch für seine im Herbst startende Katapult Journalistenschule. Hier werden die Volontäre nicht schlecht bezahlt, sondern gar nicht. Im Gegenteil: 800 Euro soll die Ausbildung kosten. Pro Monat. Das ist teurer als mein Journalismusstudium an einer privaten Hochschule damals war. Inklusive Zinsen für den Studienkredit.

Fredrichs Modell hat in den vergangenen Tagen für etwas Aufsehen gesorgt, nachdem Oskar Vitlif darauf hingewiesen hatte. Fredrich reagiert auf Nachfrage von Medieninsider und spricht von einem „Solidarsystem“. Neben fünf durch Katapult finanzierte Stipendien seien durch externe Geldgeber bereits drei weitere dazugekommen. Fredrich sagt:

„Wer hat, der zahlt. Wer nichts hat, bekommt kostenlos.“

Die Plätze wolle man an vorrangig Menschen höheren Alters oder ohne Schulabschluss vergeben. Fredrich weiter:

„Wir würden auch gerne sofort ansagen, dass wir alles finanzieren, aber wir können unsere Schule nicht einfach mal so querfinanzieren.“

Man kann nun darüber streiten, ob man ein solch wichtiges Vorhaben umsetzen sollte, wenn man sich über die Finanzierung im Unklaren ist. Fredrich verteidigt es mit seinen lokalen Wurzeln und damit, dass in der Region ansonsten kaum noch in Journalismus investiert werde. Es werde niemand gezwungen, sich dort zu bewerben. 

Das Problem ist vielmehr ein anderes: Niemand sollte für seine Ausbildung, in der er vor allem auch Leistung bringt, bezahlen müssen. Auch Journalismus auf Almosen ist kein toller Start in einen Job. So bleibt diese Branche nicht wettbewerbsfähig. Womit wir bei unserer Serie zu den Medientrends 2023 wären.

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Über den Brain Drain in der Branche hat sich auch Laura Terberl von der Süddeutschen Zeitung Gedanken gemacht. Um ihn zu vermeiden, müsse klar priorisiert werden.

„Da wir davon ausgehen, dass auch 2023 ein Jahr voller Umwälzung und Veränderung sein wird, müssen wir uns noch besser überlegen, in welche Projekte wir unsere Kräfte stecken.“

Eine Einschätzung, die Lucy Kueng teilt. Die Transformationsberaterin sieht den Stresstest nicht nur im Personalwesen, sondern an vielen Fronten. Was die beiden Medien-Expertinnen 2023 noch erwarten, liest du in ihren Beiträgen. Zudem hat mein Kollege Kevin Dusch bereits den Trend-Report des Reuters Institutes gelesen, damit du es nicht mehr musst. Die Essentials hat er für dich zusammengefasst. Und unsere Kolumnistin Alexandra Borchardt hat den Report zum Anlass genommen, sich einem großen Trendthema besonders zu widmen: dem der künstlichen Intelligenz.

Lucy Kueng: Mit Prioritäten durch den Stresstest


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Laura Terberl: Einfach mal Nein sagen


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Medieninsider-Kolumnistin Alexandra Borchardt, Foto: Ina Abraham
Medieninsider-Kolumnistin Alexandra Borchardt, Foto: Ina Abraham

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Marvin Schadehttps://medieninsider.com
Marvin ist Co-Gründer und Founding Editor von Medieninsider und hat sich damit einen kleinen Traum erfüllt. Vor der Gründung war er mehrere Jahre für den Branchendienst Meedia in Hamburg und Berlin tätig, arbeitete kurz beim Focus Magazin und zuletzt für Gabor Steingarts Morning Briefing.

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