Watson: Das zerströerte Jugendportal

Bald drei Jahre nach dem Start ist das Jugendportal Watson anders als so mancher Konkurrent noch da. Das liegt auch an der Reichweitenstrategie, die das Ströer-Portal unter der seit bald zwei Jahren amtierenden Chefredakteurin Kinga Rustler fährt. Der Traffic-Erfolg kostet – vor allem Mitarbeiter. Die Fluktuation in der Redaktion ist hoch, die Stimmung im Keller. Medieninsider hat die Hintergründe recherchiert.

Gehen Redakteure in Berlin auf Stellensuche, hat ein Unternehmen fast immer mindestens einen Job frei: die Ströer Next Publishing GmbH, das Unternehmen hinter der „jungen“ Medienmarke Watson.de, dem Schwester-Portal von T-Online. Sechs Stellenausschreibungen sind gerade online. Gesucht wird zum Beispiel ein „Instagram-Manager“. Nicht, weil die Redaktion wächst, sondern weil immer wieder Positionen frei werden. Im Social-Media-Team arbeiten gerade zwei studentische Aushilfen, eine Social-Verantwortliche gab es zuletzt im Sommer. 17 Redaktionsmitglieder (Studenten und Führungstrio rausgerechnet) zählt das Impressum derzeit, bald wird wieder eine Position in der Redaktion vakant. Die Leute hinter den Watson-Kulissen wechseln so schnell, dass man für das Impressum glatt einen eigenen Ticker-Redakteur beschäftigen könnte.

„Wir sind quasi nie voll besetzt“, sagt jemand aus der Redaktion. Kollegen bestätigen das. Medieninsider hat in den vergangenen Wochen mit mehr als einem Dutzend aktiven und ehemaligen Watson-Mitarbeitern gesprochen, sich ein umfassendes Bild über die Entwicklung der Redaktion und die dortige Atmosphäre gemacht. Auslöser der Recherche war die Veröffentlichung „Die Jungs von T-Online“ im Dezember über die dortige Arbeitsatmosphäre. Medieninsider erreichten danach mehrere Hinweise auf Watson. Auf Nachfrage, weshalb Ehemalige gegangen sind und wie es derzeitigen Mitarbeitern geht, werden oft ähnliche Gründe genannt: Der Arbeitsdruck sei immens, der Umgang lasse zu wünschen übrig, die Stimmung sei schlecht. 


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Allein im vergangenen Jahr gab es nach Medieninsider-Recherchen auf Redakteurs- und CvD-Ebene mindestens zehn Abgänge bei sieben Zugängen. Blickt man auf das Jahr 2019 zurück, finden sich viele weitere  Namen, die heute nicht mehr für Watson arbeiten. „Die Leute hauen teilweise ab, ohne etwas Neues in Aussicht zu haben“, sagt ein Redaktionsmitglied. Und das mitten in der Pandemie. 

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Marvin Schadehttps://medieninsider.com
Marvin ist Co-Gründer und Founding Editor von Medieninsider und hat sich damit einen kleinen Traum erfüllt. Vor der Gründung war er mehrere Jahre für den Branchendienst Meedia in Hamburg und Berlin tätig, arbeitete kurz beim Focus Magazin und zuletzt für Gabor Steingarts Morning Briefing.

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