Der Generationswechsel in den Medien

Ausgabe #14/2022

Hallo Medieninsider!

Schön, dass du dabei bist! Was dich in dieser Woche im Lese-Letter unter anderem erwartet:

► Nachwuchsgeneration: Wie es um Nicht-Akademiker im Journalismus steht

► Generation Y: Wie es in der Medienbranche um die Attraktivität als Arbeitgeber steht

► Nachkriegsgeneration: Wie das Übel auf der Welt junge Journalisten belastet

► Und: Wie die ARD die Arbeit anderer Medien ignoriert

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Diversity ist im Journalismus bekanntlich ein großes Thema. Dabei geht es allerdings nicht nur um die Gleichberechtigung von Mann und Frau oder die Herkunft. Auch der Bildungsgrad von Journalisten ist von Bedeutung. Die Akademisierung unseres Berufs wird seit Jahren kritisiert. Zurecht. Das wird vor allem dort deutlich, wo der Journalismus der nächsten Generation ausgebildet wird:

Mein Kollege Kevin Dusch hat sich mit dem Thema befasst und nach Gründen dafür gesucht, dass der Anteil von Nicht-Akademikern an den meisten Schulen noch immer (zu) gering ist. Dafür hat er mit der Hochschulprofessorin Christine Horz-Ishak gesprochen, aber auch mit den beiden Journalistinnen Isabell Beer und Anna-Beeke Gretemeier – die beide ohne Studium in den Journalismus gestartet sind. Stern-Chefin Gretemeier sagt:

„Viele Nachwuchstalente landen hier nicht, weil die Ausbildung lange Zeit zu schematisch gesehen und ein bestimmter Bildungsweg vorausgesetzt wurde. Viele trauen sich dann logischerweise gar nicht, sich zu bewerben.“

Die beiden Journalistinnen sprechen über ihre guten wie auch schlechten Erfahrungen und Kevin zeigt auf, wo Medienunternehmen etwas unternehmen, um die Situation zu ändern. Seinen Artikel kannst du als Medieninsider hier lesen.

Volontariat ohne Studium: mehr Utopie als Realität

Studenten vor der Henri-Nannen-Schule: Fotos: Maria Rohweder; Leon Wu; Montage: Medieninsider
Studenten vor der Henri-Nannen-Schule: Fotos: Maria Rohweder; Leon Wu; Montage: Medieninsider

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Podcast-Launch: Wie kommt er auf Spotify, Apple & Co?

Der Podcast ist aufgenommen und der finale Schnitt abgeschlossen. Und jetzt? Wie kommt der Podcast nun auf die Plattformen, wie Spotify, Apple Podcasts, Deezer und Co? Wie einfach das sein kann und wie Du Deinen Podcast mit nur wenigen Klicks in die Ohren Deiner Hörerinnen und Hörer bringst, erfährst Du in diesem Beitrag.


Es war der 39. Tag des Krieges in der Ukraine, an dem die ARD wieder einen eigenen Korrespondenten aus Kyiv schaltete. Ex-Moskau-Korrespondent und Monitor-Chef Georg Restle berichtet seit vergangenen Sonntag wieder aus der ukrainischen Hauptstadt – und startete mit einem Bärendienst für den Journalismus.

In der Tagesschau um 20 Uhr erklärte er vor 7,2 Millionen Zuschauern, es sei Journalisten nicht möglich gewesen, „sich ein eigenes Bild von der Lage in Bucha zu machen“. Im Vorort von Kyiv wütete der Krieg in den vergangenen Tagen in einer bis dato unbekannten Dimension. Es geht um zahlreiche tote Zivilisten, um Kriegsverbrechen übelster Art. Journalisten aber hätten keinen Zutritt gehabt, so Restle. Die Ukrainer hätten eine Sperrzone eingerichtet, unter anderem um Mienen zu entfernen und um Beweismaterial zu sichern.

Ein bemerkenswerter Auftritt. Richtigerweise hätte Restle nämlich erklären müssen, dass es ihm und seinem ARD-Team nicht möglich war, nach Bucha zu fahren. Denn zahlreiche andere Reporter hatten zuvor aus der zerstörten Stadt berichtet – BildSpiegel, BBC und CNN… Mindestens wer über Kontakte in der Region verfügt, war vor Ort. Jeder, der die Berichterstattung aufmerksam verfolgt, bekam das mit.

Restles Einlassung war aus mehreren Gründen problematisch. Gleichzeitig reiht sich der Auftritt ein in einen Trend, der nicht als Bashing wahr-, sondern als Kritik ernstgenommen werden sollte: Im Kosmos der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ist eine gewisse Ignoranz auszumachen. Erstaunlich ist dabei vor allem auch der Umgang mit Bild-Reporter Paul Ronzheimer.

Meine Analyse und Kommentierung kannst du als Medieninsider hier lesen.

Öffentlich-rechtliche Ignoranz

Georg Restle in einer TV-Schalte für die Tagesschau
Georg Restle in einer TV-Schalte für die Tagesschau

Neben der ARD berichtet übrigens auch das ZDF mittlerweile aus Kyiv. Reporterin Katrin Eigendorf reiste vergangenen Samstag wieder in die Ukraine, um den russischen Angriffskrieg und seine Folgen weiter zu dokumentieren.

Während ihres kurzen Aufenthalts in Deutschland hatte ich die Gelegenheit, mit ihr zu sprechen. Im Interview für einen Talk der Medientage München kamen wir auch auf die Diskussion über den Einsatz ausländischer Journalisten vor Ort in der ukrainischen Hauptstadt. ARD und ZDF hatten in den vergangenen Wochen einen Bogen um Kyiv gemacht. Zu gefährlich, hieß es. Eigendorf erklärte im Gespräch:

„Ich persönlich wäre das Risiko eingegangen.“

Die Aussage ist dahingehend interessant, dass das ZDF in den vergangenen Wochen den Eindruck erweckt hatte, die eigenen Reporter wollten nicht aus der Hauptstadt der Ukraine berichten. Ein Sprecher vor drei Wochen gegenüber Medieninsider:

„Bei der Gefahrenbeurteilung steht die Einschätzung der Beschäftigten vor Ort an oberster Stelle…“

Den Talk für die Medientage München findest du hier. Das Interview mit Katrin Eigendorf beginnt ab Minute 49.


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Warum die NYT das Sportportal The Athletic für 550 Millionen Dollar kauft

Der Schritt überrascht auf den ersten Blick: Zahlreich prämierter Nachrichten- und Politjournalismus und Sportberichterstattung für die iPhone-Generation – passt das zusammen? Hier kannst Du mehr dazu lesen.


Die Transformation unserer Branche besteht nicht nur aus der Suche nach neuen Geschäftsmodellen in der Digitalisierung. Sie bestehe auch darin, sich als Arbeitgeber zu verändern. Denn neue Generationen stellen neue Ansprüche – längst nicht mehr ums Arbeiten um der Arbeit willen. Es geht auch um Selbstverwirklichung und Bedeutung. Um „Purpose“, wie es manch einer nennt.

Claudia Michalski hat sich für ihre neue Kolumne die drei In der Generation Y wichtigen Themenfelder Sinn, Abwechslung und Geld vorgenommen und abgeklopft, ob und wie die Medienbranche ihre Kriterien erfüllt. Ihr Ergebnis: gar nicht so schlecht.

Weshalb die Medienbranche für die Generation Y eine attraktive ist, und an welchen Stellen noch Nachholbedarf besteht, kannst du als Medieninsider hier lesen.

Medien als Arbeitgeber für die Gen Y? Ja! Aber…



News und Entdeckungen der Woche 

zusammengetragen von Kevin Dusch

Bertelsmann macht 2021 2,3 Milliarden Euro Gewinn

Mit den Geschäftszahlen für 2021 hat Bertelsmann ein Konzernergebnis von 2,3 Milliarden Euro gemeldet. Das entspricht einem Plus von 58 Prozent zum Vorjahr. Die Summe führt Bertelsmann vor allem auf Veräußerungsgewinne zurück. Der Umsatz des Konzerns lag 2021 mit 18,7 Milliarden Euro 11,4 Prozent höher als 2020. Außer dem Druckgeschäft wuchsen demnach alle Bereiche des Unternehmens. Das operative Geschäftsergebnis von Bertelsmann stieg leicht von 3,1 Milliarden Euro auf 3,2 Milliarden Euro. Für das laufende Jahr rechnet der Bertelsmann-Konzern, der gerade RTL und Gruner + Jahr fusioniert, mit einem „moderaten Umsatzanstieg“ und einem stabilen operativen Ergebnis. Die Unternehmenszahlen im Detail findest du hier.

Main-Post übernimmt Rhön- und Saalepost sowie Rhön- und Streubote

Die Mediengruppe Main-Post übernimmt mit Wirkung zum 1. April 2022 die beiden Zeitungen Rhön- und Saalepost und Rhön- und Streubote. Den Verkauf begründete der bisherige Verleger Christoph Partsch unter anderem damit, dass die wirtschaftliche Absicherung gedruckter Zeitungen nur noch innerhalb eines starken Medienhauses möglich sei. Bereits in der Vergangenheit hatte die Main-Post auch redaktionell mit den beiden Lokaltiteln zusammengearbeitet. Die Mitteilung der Mediengruppe Main-Post findest du hier.

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Corint geht gerichtlich gegen Microsoft vor

Die Verwertungsgesellschaft Corint Media will das Presseleistungsschutzrecht nun auch gegen Microsoft gerichtlich durchsetzen. Dem Schritt seien mehr als zwei Jahre Gespräche ohne Ergebnis vorangegangen, so die Verwertungsgesellschaft. Corint streitet auch mit anderen Konzernen um die Vergütung des Leistungsschutzrechts, verhandelt derzeit mit Google und Facebook.

Elon Musk steigt bei Twitter ein – und wird Verwaltungsrat

Tesla-Gründer Elon Musk hat rund 73 Millionen Aktien des von Twitter gekauft und ist damit nun größter Anteilseigner. Er hält etwa neun Prozent des Unternehmens und sichert sich laut CNBC damit einen Platz im Board of Directors des Unternehmens. Musk hatte Twitter in den vergangenen Wochen kritisiert. Er warf der Plattform vor, die Grundsätze der freien Meinungsäußerung nicht einzuhalten und die Demokratie zu gefährden. Laut Medienberichten hatte er darüber nachgedacht, eine eigene Social-Media-Plattform aufzubauen. Einen Bericht des Spiegel findest du hier, die Meldung von CNBC hier.

Russland-Ukraine-Ticker: Die neuesten Meldungen aus dem Informationskrieg

► RT DE zahlt erstes Bußgeld an Landesmedienanstalt, sendet aber weiter (Tagesspiegel)

► Meta unterbindet kurzzeitig Schlagwörter im Kontext von Bucha (Spiegel)

► Presserat appelliert an Medien für sensiblen Umgang mit Bildern aus Bucha (Presserat)


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Aus dem Personalticker

► Funke stellt Digital-Führung neu auf

► Marc Biskup geht von Storymachine zur MDR– und ZDF-Agentur ida

► Internationaler Verlagschef Rob Munro-Hall verlässt Bauer

► Springer-Vermarkter Media Impact stellt Struktur und Führung um

► Norbert Grundei wird Leiter Programm- und Portfoliomanagement beim NDR

► Simon Geisler wird Leiter Key Account Management beim Kölner Stadt-Anzeiger


Wenn wir Inhalte haben, von denen wir denken, sie seien auch für internationales Publikum interessant, veröffentlichen wir sie auch auf Englisch. Das Interview mit Daryna Shevshenko ist so ein Inhalt. Sie berichtet, wie sie und ihr Team Kyiv Independent, das erst im Herbst vergangenen Jahres an den Start gegangen ist, vom Start-up zum Leitmedium aufbauen – mitten im Krieg.

Ich freue mich, wenn du das Interview von meiner Kollegen Helen mit deinen internationalen Kollegen, Freunden und Bekannten teilst. Wir haben es vor der Paywall veröffentlicht. Du findest es hier.

“You can’t be productive in the bomb shelter”

Daryna Shevchenko, CEO von Kyiv Independent
Daryna Shevchenko, CEO von Kyiv Independent

Hörtipp

„Kann ich es mein Leben lang durchhalten, mich beruflich immer wieder mit Katastrophen auseinanderzusetzen – und will ich das?“

Diese Frage haben sich Annkathrin Weis und Luca Schmitt-Walz in ihrem Podcast Druckausgleich gestellt. Der Anlass liegt nahe: Während die Bedeutung des Journalismus derzeit nirgends deutlicher wird als im Ukraine-Krieg, macht er aus dem Journalistenalltag zugleich eine ständige Auseinandersetzung mit Leid und Zerstörung. Und auch wenn die Kriegsberichterstattung alles andere als alltäglich ist; die Konfrontation mit dem Negativen ist es allemal. Und das betrifft nicht nur die Inhalte, sondern auch die Arbeitsweise. Im Gespräch miteinander und mit Medien-Coach Jelena Pantić-Panić finden die Podcast-Hosts zahlreiche Faktoren, die gerade für junge Journalisten belastend sind:

► Das Los der Berufseinsteiger: Gerade junge Journalisten schreiben Kurzmeldungen und befüllen Ticker. Besonders in Kriegs- und Krisenzeiten sind sie also permanent einer Flut von Informationen ausgesetzt.

► Mangelnde Repräsentation: Im Idealfall schreiben Journalisten über Themen, die sie interessieren und bewegen. Allerdings ist die Leserschaft nicht mehrheitlich jung. Themen aus der Lebensrealität von jungen Journalisten sind unterrepräsentiert.

► Öffentlicher Druck: Befördert durch die Geschwindigkeit, mit dem sich Nachrichten und Reaktionen auf Social Media verbreiten, sind Journalisten oft ungefiltert Hass im Netz ausgesetzt.

► Interner Druck: Journalismus ist kompetitiv. Auszeichnungskonzepte wie 30 unter 30 befördern das Streben nach schnellem Erfolg und ein starkes Konkurrenzdenken.

Man kann die Befindlichkeiten der jungen Kollegen teilen, man muss es aber nicht. So oder so sollte man sie sich zumindest anhören. Die ganze Folge kannst du hier hören.

Viele Grüße sendet dir
Marvin

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INSIGHT #2

Berichte, Analysen, Wortlautprotokolle: Alle Medieninsider-Artikel zur Causa Reichelt in einem Dossier auf 68 Seiten.

Marvin Schadehttps://medieninsider.com
Marvin ist Co-Gründer und Founding Editor von Medieninsider und hat sich damit einen kleinen Traum erfüllt. Vor der Gründung war er mehrere Jahre für den Branchendienst Meedia in Hamburg und Berlin tätig, arbeitete kurz beim Focus Magazin und zuletzt für Gabor Steingarts Morning Briefing.

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