Eine vertane Chance

Es wird der Tag kommen, an dem es für Verlage zu teuer sein wird, eine gedruckte Zeitung zuzustellen. Schon jetzt wird nach staatlichen Subventionen gerufen, um das Leben des Papiers zu verlängern.

Die so genannten weißen Flecken in der Zustellung dürften zuerst auf bevölkerungsarmen Flächen entstehen, zum Beispiel in Mecklenburg-Vorpommern oder Brandenburg. Gerade dort sollten die Verlage also interessiert sein, möglichst viele Bestandsabonnenten ihrer Heimatzeitung in digitale Leser umzuwandeln. Ein Erlebnis aus dem persönlichen Umfeld zeigt: Der Vorgang scheitert nicht unbedingt am Leser, sondern am Verlag. 

Meine Mutter ließ sich – ganz klassisch in einem Einkaufszentrum – zu einem Probe-Abo der Ostsee-Zeitung (Madsack) überreden. Als die Bestätigung kam, fragte ich sie, ob ein Online- oder E-Paper-Zugang dabei sei. Meine Mutter ist 60 Jahre alt und gehört damit für (Regional-)Zeitungen zu einer wichtigen Zielgruppe. Sie wird, glaubt man den Marktprognosen, die gedruckte und physisch zugestellte Zeitung überleben. Will der Verlag sie halten, muss er meine Mutter zur digitalen Leserin konvertieren.

Und tatsächlich, im Willkommensschreiben der Ostsee-Zeitung heißt es: 

Die gute Nachricht also: Digital wurde mitgedacht. Die schlechte: Durchdacht wurde es offenbar nicht.

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Matthias Bannert
Matthias Bannerthttps://matthias-bannert.eu
Matthias Bannert ist Mitgründer und Geschäftsführer von Medieninsider. Er hat seine journalistische Ausbildung an der Axel Springer Akademie gemacht, war für "Bild" in Berlin und Los Angeles im Bereich Redaktion und Audience-Development tätig und war Gründungschefredakteur von "upday", dem News-Aggregator von Axel Springer und Samsung. Er ist außerdem Gründer des Mobilitätsmagazins "MOViNC.de" sowie der App "WahlSwiper" ("VoteSwiper").

1 ERGÄNZUNG

  1. Hallo, dieses “Nicht-Mitdenken” ist mir gerade bei der Rheinischen Post passiert. Da war ich gerade mal 6 Stunden Abonnent. Denn unter einem Artikel wurde ein Abo via Google Play Store offeriert. Das habe ich genutzt. Wurde von RPOnline und Google auch per E-Mail bestätigt. Nur leider löste sich die Bezahlschranke nicht auf. To keep it short: Der offizielle Workaround der RP bestand darin, ich möchte doch bei Google kündigen und ein Abo direkt auf der Site abschließen. Tja, das wollte ich nun aber nicht. Nun bin ich staunender ehemaliger Abonnent eines Mediums, das eine Funktion ausrollte, ohne diese wohl richtig getestet zu haben.

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