Johannes Boie: „Ich glaube, dass das Land Bild vielleicht mehr braucht denn je“

Wie der erste Auftritt des neuen Bild-Chefredakteurs vor der Belegschaft ablief

Am gestrigen Montag verlor Julian Reichelt seinen Job als Chefredakteur von Bild, heute sitzt ein Neuer auf seinem Stuhl: Gemeinsam mit Springer-CEO Mathias Döpfner trat am Dienstagvormittag Johannes Boie (Foto) als neuer Chefredakteur vor die Belegschaft. Das Signal: Mit ihm wird nicht alles anders – zumindest nicht nach außen.

Der Amtsantritt von Johannes Boie lässt sich in einem Wort zusammenfassen: effizient. Etwa fünf Minuten dauerte seine Antrittsrede als neuer Chefredakteur von Bild. Sein Ziel war klar: Konzentration aufs Wesentliche.

Boie verlor nicht viele Worte, dafür präzise gewählte, eines sollte definitiv zum Ausdruck gebracht werden: Hier kommt niemand von außen, der jetzt alles anders machen will. Hier kommt jemand, der gemeinsam neue (beziehungsweise alte) Potenziale ausschöpfen will. Medieninsider fasst den Auftritt von Boie und Döpfner zusammen und nennt ihre wichtigsten Aussagen.

Boie begann seine kurze Rede mit einem Ausdruck von Respekt. Es sei beachtlich, wie die Redaktion in den vergangenen Monaten einen Fernsehsender aufgebaut habe und weiterhin Online und Print stemme. All dies seien Erfolge, auf die er aufbauen wolle. Funktionieren könne dies aber nur, wenn alle Mitarbeiter stolz darauf sein könnten, für Bild zu arbeiten.


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In der Tat war das in den vergangenen Wochen und Monaten kaum der Fall, immer wieder wurde intern – auch von Mathias Döpfner – thematisiert, dass sich Mitarbeiter weniger trauten, Bild oder Axel Springer als ihren Arbeitgeber zu nennen. Eine interne Mitarbeiterbefragung ergab zudem, dass nur jeder zweite wirklich gerne bei Bild arbeitet und 25 Prozent nicht gerne im Dienste der Boulevardzeitung stehen.

Nicht nur Boies Ziel, sondern auch seine Aufgabe, wird sein, daran etwas zu ändern. Auch deshalb appellierte er an Integration – allerdings seiner eigenen Person:

„Ich muss naturgemäß von Ihnen und von euch allen lernen. Das gehört für mich zu einer modernen Führungskultur dazu.“

Er betonte, dass es ihn glücklich mache, nun „mitmachen“ zu dürfen. Er wolle nun erst einmal „mitlaufen“. Seinen Worten entsprechend riss er die erste Konferenz nicht gleich an sich. „Es gibt viele Leute im Raum, die haben das schon öfter gemacht.“

Der neue Chefredakteur gab sich bei seinem ersten Antritt als freundlicher Teamplayer, als der nahbare Neue:

„Ich würde mich freuen, wenn wir uns alle duzen.“

Klar ist aber auch: Mit Boie soll intern zwar Ruhe einkehren, nach außen soll sich aber auch mit dem neuen Chefredakteur nicht viel verändern. Boie:

„Mir ist wichtig, dass wir wieder mehr Schlagzeilen machen, als Schlagzeile zu sein.“

Wie Döpfner und immer wieder auch Julian Reichelt betonte Boie, dass Bild eine große Bedeutung für Deutschland habe, und:

„Ich glaube, dass Bild mit großer Härte auch die Politik attackieren und angreifen muss, wie das auch in letzter Zeit immer wieder passiert ist.

„Ich glaube, dass das Land Bild vielleicht mehr braucht denn je.“

Auch unter Boie bleibt Bild auf bisherigem Kurs: Er betonte zunehmenden Antisemitismus, „nicht nur von links und von rechts, auch von muslimischer Seite“, ließ andere Kernthemen und -kompetenzen von Bild aber nicht außen vor: „Ich habe heute Morgen im Sport die Dominanz der Bayern mit großem Interesse gelesen, und solche Scoops, dass Helene Fischer schwanger ist, sind der Hammer.“

Digital statt TV first: Döpfner zieht Marschroute klar

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Marvin Schade
Marvin Schadehttps://medieninsider.com
Marvin ist Co-Gründer und Founding Editor von Medieninsider und hat sich damit einen kleinen Traum erfüllt. Vor der Gründung war er mehrere Jahre für den Branchendienst Meedia in Hamburg und Berlin tätig, arbeitete kurz beim Focus Magazin und zuletzt für Gabor Steingarts Morning Briefing.

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