Weshalb Business Insider nur noch Insider heißt

Ausgabe #05/21

Hallo Medieninsider!

schön, dass du dabei bist! Was dich im Lese-Letter unter anderem erwartet:

► Interview mit Transformations-Expertin Lucy Küng

► Was Arbeitgeber für die Gesundheit ihrer Mitarbeiter im Home Office tun 

Facebook arbeitet ebenfalls an Newsletter-Tool 

► Funke: Druckerei-Schließung ist teurer als Fortbestand

Strive hat eine Chefredakteurin, Jetzt.de eine neue Redaktionsleiterin

► Wie Spotify das freie Ökosystem der Podcasts erobert 


Die Frage nach guter Führung

Lucy Küng. Foto: Marcel Grubenmann
Lucy Küng. Foto: Marcel Grubenmann

Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Medienbranche lassen sich noch nicht zuverlässig abschätzen. Anhand einiger Parameter lassen sie sich aber erahnen.

► Zwar befeuern Pandemie und Lockdown das Geschäft mit den digitalen Abonnements. Dafür fallen Print-Auflagen – und damit Anzeigenerlöse – ungebremst weiter. Laut Organisation der Mediaagenturen (OMG) krachten 2020 der Netto-Investitionen in Außenwerbung um 15 Prozent ein, Publikumszeitschriften bekamen 12 Prozent weniger, Zeitungen und TV 10 Prozent. Anzeigenblätter verloren ein Fünftel im Vergleich zum Vorjahr.

► Der digitale Werbemarkt verschiebt sich weiter in Richtung der großen Tech-Plattformen. Ebenfalls laut OMG stiegen die Netto-Werbeinvestitionen in Facebook und Google 2020 um 7 Prozent, Amazon um 10 Prozent. Das restliche Online-Segment legte um nur 3 Prozent zu, Videowerbung um 5 Prozent. Verlässliche Prognosen für 2021 liefern kann gerade niemand.

► Eingebrochen sind auch gerade erst ausgemachte Geschäftsbereiche wie beispielsweise Events. Wer konnte, hat auch digitalisiert. Nicht immer und nicht überall war das möglich.

► Die Marktsituation führt zu weiteren Einsparungen: Was nicht läuft, wird eingestellt (siehe Jugendportale), zuvor verabschiedete Sparprogramme wie bei der Süddeutschen Zeitung oder dem Spiegel werden dringender umgesetzt. Andernorts werden Redaktionen aufgelöst und zentralisiert (siehe jüngst stern). Die Kurzarbeit im vergangenen Jahr hat größere Sparrunden verhindert, womöglich aber auch nur verzögert. 

Die Medienhäuser stellt das vor eine zusätzliche Problematik, denn:

„Die Covid-Pandemie hat vielen Medienorganisationen und den Menschen, die dort arbeiten, einiges abverlangt. Sie sind erschöpft.“


Das sagt Lucy Küng. Die Expertin für digitale Transformation muss es wissen. Durch ihre Arbeit als Beraterin und für das Reuters Institute ist sie international bestens vernetzt. Küng hat tiefe Einblicke in viele Medienhäuser und Zugang zu ihren Top-Managern. Im November schrieb sie Teile ihrer Forschung und Erkenntnisse in einem „Transformationsmanifest“ (9 priorities for now) zusammen, kurze Zeit später veröffentlichte sie beim Reuters Institute ihre Studie Hearts and Minds. Dafür hat sie mit über 100 internationalen Führungskräften über Leadership und Unternehmenskultur gesprochen. 

Im Interview mit Medieninsider spricht Küng, die auch im Verwaltungsrat der NZZ-Mediengruppe sitzt, über die aktuellen Herausforderungen für Medienunternehmen und darüber, wie Führung ausgelegt und neu interpretiert werden muss. Küng ist besonnen und ruhig, in ihrer Analyse aber nicht weniger bestimmt und direkt:

„Die noch vorhandenen Kräfte müssen jetzt gezielt eingesetzt werden, um nicht zu kollabieren. Es braucht jetzt auf allen Ebenen absolute Klarheit.“

Mit Ausreden in Bezug auf die Transformation sei es nun vorbei, so Küng, selbst konservativste Zielgruppen hätten sich während der Pandemie digitalisiert. 

„Das ist eine einzigartige Chance. Das bisherige Argument, man wolle Bestandskunden nicht zugunsten neuer Zielgruppen benachteiligen, gilt nicht mehr.“

Transformation funktioniere nicht ohne ebenso entschlossene Führung. Bisherige Führungskräfte müssten dabei aber beachten, dass Führung und Kommunikation keine Einbahnstraßen mehr seien. 

„Sie müssen nun also einen Führungsstil etablieren, in dem nicht nur Direktiven gefragt sind, sondern Informationen auch zu ihnen hinauf fließen.“

Besonders im Umgang mit den jüngeren Generationen Y und Z seien neue Kompetenzen gefragt, der Anspruch an Führung und Unternehmenskultur habe sich geändert:

Im Interview vertiefen wir den Generationenkonflikt und die Frage nach einem neuen Selbstverständnis von Führung. Wir sprechen auch über den „war for talents“, der aus Küngs Perspektive auf einem anderen Feld ausgetragen wird als ich es persönlich beobachtet habe. Wir gehen auch genauer darauf ein, worauf sich Medienhäuser, je nach ihrer Ausrichtung, nun konzentrieren könnten. Küng nennt Beispiele aus der Praxis, die ihr positiv aufgefallen sind. Das ausführliche Interview mit Lucy Küng kannst du als Medieninsider hier nachlesen


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Vier Trends, die in der Pandemie Zeitschriftenauflagen steigen lassen

Die App Clubhouse. Grafik: Medieninsider / Zlatko Plamenov

Infolge der Pandemie war das Jahr 2020 durch einen enormen Digitalisierungsschub und zeitweise durch eine ungewöhnlich intensive Nachrichtenflut geprägt. Konnten auch Medienmarken außerhalb des News-Segments davon profitieren? Oh ja, durchaus. Vier spannende Trends zeichnen sich ab: Hier kannst du mehr lesen.


Was Arbeitgeber für die mentale Gesundheit tun

Foto: Magnet.me/Unsplash
Foto: Magnet.me/Unsplash

Vor zwei Wochen habe hier im Lese-Letter einen kleinen Aufruf gestartet. Ich wollte von dir und den anderen Medieninsidern erfahren, welche kreativen Angebote ihr kennt, mit denen Arbeitgeber versuchen, ihre Mitarbeiter im Home Office physisch wie auch mental zu entlasten. Gestern kam ich endlich dazu, die Vorschläge zu sichten.

Einige von ihnen habe ich in jeweils drei Kategorien (Bewegung und Arbeitsplatz, Achtsamkeit und psychologische Hilfe, Austausch und Socialising) mit jeweils drei Aktionen zusammengefasst. Den Artikel dazu kannst du als Medieninsider hier lesen


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Mehr News & Entdeckungen aus der Woche

zusammengetragen von Florian Boldt

Funke: Druckerei-Schließung teurer als Fortbestand

Die bereits im vergangenen Jahr von der Funke Mediengruppe angekündigte Schließung der Druckerei in Thüringen kostet den Konzern zunächst offenbar mehr, als den Betrieb aufrecht zu erhalten. Laut einem Wirtschaftsgutachten würde die Schließung bis zum Jahr 2030 fünf Millionen Euro teurer kommen als der Fortbestand. Das berichtet Neues Deutschland. Das Gutachten sei vom Betriebsrat in Auftrag gegeben worden und basiere auf von der Funke-Gruppe zur Verfügung gestellten Zahlen. In der Berechnung seien auch schon Anschaffungskosten für eine neue Druckanlage berücksichtigt. Funke hatte im September angekündigt, die Druckerei in Thüringen in diesem Jahr zu schließen – auch weil eine neue Anlage einen zweistelligen Millionenbetrag kosten würde. 270 Stellen sind betroffen. Mehr über das Gutachten kannst du hier bei nd.de lesen.

Österreich subventioniert Medien mit 34 Millionen Euro

Die österreichische Regierung unterstützt die digitale Transformation der Medienbranche in diesem Jahr mit 34 Millionen Euro. Knapp ein Drittel der Fördergelder (11,3 Millionen Euro) entfällt auf Printmedien. Ab 2022 will Österreich 15 Millionen Euro jährlich zur Verfügung stellen. Die Gelder sind unter anderem an redaktionelle Arbeitsplätze und das Bekenntnis zur Aus- und Weiterbildung geknüpft. Kritik gibt es, weil Neugründungen und reine Digitalmedien nicht gefördert werden. Der Presseclub Concordia fordert zudem, dass auch „Frauenförderung, Wissenschaftsjournalismus und internationale Berichterstattung“ zu den Förderkriterien gehören sollten. Mehr zu dem Thema findest du hier beim österreichischen Standard.

Business Insider heißt jetzt nur noch Insider

Business Insider setzt seine Strategie hin zum thematisch breiter aufgestellten Medienangebot fort und macht das nun auch in seinem Namen kenntlich. In den USA heißt nun auch das Portal nur noch Insider. Bei derdahinterstehendenFirma und der neuen URL ist das bereits der Fall. Das Medium, das 2017 von Henry Blodget gegründet wurde und seit 2015 mehrheitlich zum Axel-Springer-Konzern gehört, will mehr Felder abdecken und so seine Reichweite steigern. Der deutsche Ableger ist von der Namensänderung nicht betroffen. Hierzulande ist Business Insider gerade dabei, eine ordentliche Redaktion aufzubauen und ein Paid-Content-Modell vorzubereiten. Business Insider Deutschland plant zunächst sich innerhalb von Wirtschaftsthemen zu vertikalisieren und Themenschwerpunkte wie Mobility oder Handel zu setzen. Mehr über die Änderungen in den USA kannst du bei Axios lesen

Facebook startet eigenes Newsletter-Tool

uch Facebook will ins Newsletter-Geschäft einsteigen, schreibt die New York Times. Derzeit arbeite das soziale Netzwerk an einem eigenen Tool inklusive Monetarisierungsmöglichkeiten durch Paid Content. Das Vorhaben gehöre zum Facebook Journalism Project, sei derzeit allerdings noch in einem frühen Stadium. Im Sommer könnte Facebook das Newsletter-Projekt der Öffentlichkeit vorstellen. Konkurrent Twitter hat gerade erst den niederländischen Newsletter-Dienst Revue übernommen. Mehr zum Facebook-Vorhaben findest du findest du hier.

Podcast-Boom: Nur die wenigsten verdienen wirklich Geld

Podcasts erfreuen sich zwar zunehmender Beliebtheit, lassen sich in der Breite bislang aber schlecht monetarisieren, analysiert Axios für die USA. Das oberste Prozent der Podcasts zählt 99 Prozent aller Downloads. In den USA erzielen Podcasts im Werbemarkt zwar das größte Wachstum, der Umsatz liege aber noch unter einer Milliarde US-Dollar. Mehr dazu erfährst du hier.

Mehr News aus dem Personalticker:

► Susanna Riethmüller ist Strive-Chefredakteurin

► Noizz-Leiter Manuel Lorenz scheidet aus Bild-Gruppe aus

► Lara Thiede übernimmt Jetzt.de-Redaktionsleitung

DuMont: Katja Nettesheim und Britta Weddeling werden Beirat

RTL-Zentralredaktion: Auch Ex-Bild-Mann Jan Schütz ist weg


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Lesetipp

Im Podcast-Markt, wie in den Meldungen angedeutet, gilt vieles als noch nicht ausgemacht. Fakt aber ist: Der Boom ist da, Podcasts sind im Mainstream angekommen und das Geschäft lockt die ganz Großen. Apple (klar), Amazon und Spotify buhlen um die Vorherrschaft, die Plattform und Anlaufstelle für die Audioshows zu werden. Serafin Dinges hat sich für Netzpolitik mit einem der Player genauer befasst. Sie beschreibt, wie Spotify versucht, das YouTube für Podcasts zu werden und nicht nur die Macht über Inhalte, sondern Geschäftsmodelle zu erlangen. „Die Weichen für ein Quasi-Monopol sind gestellt“, schreibt sie. 

Wenn du erfahren willst, wie Spotify das bislang freie und nahezu für jeden (Internetnutzer) zugängliche Ökosystem bedroht, und ob das gelingen könnte, dann klick einfach auf diesen Link.   


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Anregungen und Feedback kannst du jederzeit mir direkt schicken. Schreib wann immer du willst an marvin@medieninsider.com.

Hab noch eine schöne Woche! 
Viele Grüße sendet dir 

Marvin

Marvin Schade
Marvin Schadehttps://medieninsider.com
Marvin ist Co-Gründer und Founding Editor von Medieninsider und hat sich damit einen kleinen Traum erfüllt. Vor der Gründung war er mehrere Jahre für den Branchendienst Meedia in Hamburg und Berlin tätig, arbeitete kurz beim Focus Magazin und zuletzt für Gabor Steingarts Morning Briefing.
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