Die Wiederbelebung des Lokaljournalismus

TitelfotoThomas Geiger

Die Medienkonzentration im Regionalen und Lokalen frustriert Leser und Journalisten zugleich. Monopolisierung und Zombiemärkte aber machen den Weg frei für Neues. Medieninsider zeigt Beispiele auf, wo Journalisten lokale Pionierarbeit leisten, was ihre neuen Projekte vom traditionellen Journalismus unterscheidet und wie sie Geld verdienen wollen. Eine Geschichte über die Wiederbelebung des Lokaljournalismus. 

Ralf Heimann ist kein Arzt oder Rettungssanitäter und trotzdem übt er sich in Wiederbelebung. Sein Patient: der Lokaljournalismus. In Münster, wo Heimann lebt, ist die Berichterstattung noch nicht tot, sie hat aber Kammerflimmern. In seiner Stadt mit mehr als 300.000 Einwohnern gibt es nur noch eine Tageszeitung. 2014 übernahm der Aschendorff-Verlag mit der Münstersche Zeitung den letzten Konkurrenten seiner Westfälischen Nachrichten. Von der Zeitung blieb nicht viel bis auf die Hülle. Befüllt wird sie seitdem von den Redakteuren der Westfälischen (und den wenigen Redakteuren, die vom neuen Verlag übernommen worden waren). Es blieb ein „Münsterscher Zombie“, eine Zeitung mit Inhalt, aber ohne eigene Redaktion, ohne eigene Akzente, ohne Unterscheidbarkeit. 

Eine publizistische Stimme mit zwei Gesichtern reicht Heimann, der bis zum Verkauf der Münsterschen selbst dort angestellt war, nicht. Deshalb ist Heimann jetzt als Redaktionsleiter Teil von Rums, das für Rund um Münster steht und die lokale Berichterstattung als neues, rein Digitales Medium erweitern will. „Eine Stadt lebt von Vielfalt, die sich auch in den Medien widerspiegeln muss. Eine Zeitung mit einer Sicht auf die Dinge reicht nicht aus“, sagt er. Es ist aber auch die Sorge, dass der Lokaljournalismus, in dem viele Journalisten ihre ersten journalistischen Gehversuche unternehmen und ihr Handwerk lernen, komplett verschwindet. „In den USA sehen wir, was dann geschieht. Die Menschen bekommen nicht mehr mit, was um sie herum passiert.“ Tatsächlich steht mehr auf dem Spiel, manche sagen: die Demokratie. 

Lokaljournalismus: Rückgrat einer Demokratie

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Marvin Schadehttps://medieninsider.com
Marvin ist Co-Gründer und Founding Editor von Medieninsider und hat sich damit einen kleinen Traum erfüllt. Vor der Gründung war er mehrere Jahre für den Branchendienst Meedia in Hamburg und Berlin tätig, arbeitete kurz beim Focus Magazin und zuletzt für Gabor Steingarts Morning Briefing.

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