Sigrun Albert: Die neue Frau beim BDZV

Die Hauptgeschäftsführerin im Antrittsinterview

Im ganzen BDZV-Theater der vergangenen Monate rund um Verleger-Präsident Mathias Döpfner ging eine andere Personalie fast schon unter: Seit April leitet Sigrun Albert die Lobby-Organisation der Zeitungsverleger als neue Hauptgeschäftsführerin. Im Antrittsinterview mit Medieninsider spricht sie über:

► den Zeitpunkt des Rücktritts von Verlegerpräsident Mathias Döpfner

► die Frage, ob sie zur falschen Zeit angetreten ist oder genau zur richtigen

► die Erwartungen an die Verleger

► den BDZV als Produkt

► die aktuelle Position zur Presse- beziehungsweise Zustellförderung des BDZV

► den öffentlich-rechtlichen Rundfunk

Medieninsider: Wie ist denn die Stimmung?

Sigrun Albert: Meine persönliche Stimmung ist sehr gut, ich bin fasziniert von der Vielzahl der Themen, die wir hier bewegen, und sehr motiviert, sie anzupacken. Den gleichen Spirit nehme ich im Team der Geschäftsstelle wahr. Es gab bekanntlich einige schwierige Momente. Ich bin sehr beeindruckt, wie die Kollegen trotz aller Berichterstattung über den BDZV jeden Tag professionell ihren Job machen und viele Kernthemen vorantreiben. Aber natürlich wünschen wir uns für die nächsten Monate noch mehr Zeit für die eigentlichen, wichtigen Aufgaben. Bei den Mitgliedern gibt es ganz unterschiedliche Gefühle und Stimmungslagen und ebenfalls ein großartiges Engagement. Jede Stimmung hat ihre Grundlage und damit ihre Berechtigung. 

Du bist im April Hauptgeschäftsführerin geworden. Dass du die Stelle antrittst, war aber bereits vergangenes Jahr klar. Der BDZV stand zu diesem Zeitpunkt schon gut im Wind, mittlerweile ist daraus ein veritabler Sturm geworden. Bist du zur falschen Zeit angetreten oder genau zur richtigen?

Die Plattitüden-Antwort lautet: Jede Krise ist eine Chance. 

Diese Krise könnte auch ein Ende sein.

Das glaube ich nicht. Der BDZV bietet eine Austauschplattform und gemeinsame Interessenvertretung, die in dieser Form kaum ersetzbar ist. Die Branche konnte in den letzten Jahren viele ergebnisrelevante Erfolge erzielen, die ohne den starken Verband gar nicht denkbar wären. Ein Ende will darum sicher niemand. Es bietet sich jetzt die Gelegenheit für einen großen Entwicklungssprung, wie wir ihn sonst so vielleicht nicht oder jedenfalls nicht jetzt gemacht hätten. Innerhalb der Task-Force Modernisierung, die wir gegründet haben, werden gerade grundsätzliche Fragen neu diskutiert. Wer sind wir und was wollen wir in Zukunft erreichen? Wie organisieren wir uns am besten, um unsere Strategie umsetzen zu können? 

„Ich bin nicht die Person für Machtspielchen.“

War es für dich auch die richtige Zeit anzutreten, weil du beziehungsweise das Amt der Hauptgeschäftsführerin im Zuge der Modernisierung des Verbands einen größeren Stellenwert und mehr Macht gewinnen könnte?  

Wir befinden uns mitten in der Sacharbeit zum Thema „Was ist die richtige Struktur?“. Und die wird auch noch einige Monate andauern. Wir wollen uns die Zeit nehmen, um etwas Durchdachtes und von Vielen Getragenes zu schaffen. Es wird in der nächsten Gremiensitzung einen Schulterblick auf den aktuellen Stand der Arbeit der Task-Force Modernisierung geben, um darüber diskutieren zu können. Diese Diskussion wollen wir breit und auch in den Landesverbänden führen. Es soll nicht der Eindruck entstehen, dass die Zukunft des BDZV im kleinen Zirkel konstruiert wird. Es geht darum, sicherzustellen, dass jeder einen maßgeblichen Beitrag zum Erfolg leisten kann. Ich möchte dabei nicht von Macht sprechen, sondern von Verantwortung. Und die übernehme ich, die übernehmen wir in der Geschäftsstelle gerne. 

Das ist ein anderes Wort für dieselbe Bedeutung. 

Nein. Wenn wir weiter in Machtkategorien denken und darüber diskutieren, wer wie viel Einfluss hat, dann wird das nicht funktionieren. Wir gehen iterativ vor und natürlich wird auch über die Aufgaben der Geschäftsstelle diskutiert. Es wird aber auch viel darüber gesprochen, wie wir unsere Vielfalt und die Stärke des Föderalen nutzen können. Ich bin dafür, diese Vorteile zu erkennen. Ich möchte natürlich gerne Führung und Verantwortung übernehmen – aber im Team. Ich bin nicht die Person für Machtspielchen. Kern all unserer Aktivitäten sind die gebündelten Interessen unserer Mitglieder.

Apropos Machtspielchen. Hätte Mathias Döpfner früher von seinem Posten als Verleger-Präsident zurücktreten müssen? 

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Marvin Schade
Marvin Schadehttps://medieninsider.com
Marvin ist Co-Gründer und Founding Editor von Medieninsider und hat sich damit einen kleinen Traum erfüllt. Vor der Gründung war er mehrere Jahre für den Branchendienst Meedia in Hamburg und Berlin tätig, arbeitete kurz beim Focus Magazin und zuletzt für Gabor Steingarts Morning Briefing.

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