Facebook setzt sich durch

Ausgabe #08/21

Hallo Medieninsider!

In dieser Woche ist am Lese-Letter etwas anders. Schon am Absender konntest du erkennen, dass er nicht von Founding Editor Marvin stammt. Ich bin Alexandra Borchardt, Journalismus-Professorin, Beraterin, Autorin und dir bereits als Kolumnistin von Medieninsider bekannt. Fortan präsentiere ich dir einmal im Monat die Themen in diesem Newsletter. Ich freue mich, dass du dabei bist! 

Was dich in dieser Ausgabe unter anderem erwartet:

► Interview mit Vinzent Leitgeb über die Audio-Strategie der Süddeutschen

► Welche neuen Optionen Spotify für Publisher bereit hält

► Wie es um den Streit zwischen Staat, Tech-Plattformen und Medien in Australien steht…

► … und welche Alternativen es zur Finanzierung des Journalismus gäbe

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Süddeutsche: auf der Audio-Spur

Vinzent Leitgeb, Foto: Alexandra Schellnegger/SZ

Ab und zu braucht es mehrere Anläufe, bis etwas gelingt. Und bei der Süddeutschen Zeitung scheinen aller guten Dinge auch nur zwei. Zumindest, wenn es um Podcasts geht. 2007 unternahm die SZ schon einmal einen Anlauf mit Audio-Inhalten on demand. Der Atem hielt drei Jahre an, bevor das Projekt wieder aufgegeben wurde. Der Markt war noch nicht da, dafür aber eine Wirtschafts- und Finanzkrise. 

Auch heute sind die wirtschaftlichen Umstände schwierig, Podcasts aber boomen, nicht nur bei der SZ. Die hat in dieser Woche aber einen Deal mit Spotify verkündet. Drei Formate wird die SZ für den Streaminganbieter, der sein Podcast-Segment vehement ausbaut, produzieren. 

Der Herr auf dem Foto ist Vinzent Leitgeb und unter Leitung von Audio- und Video-Chefin Laura Terberl für das redaktionelle Audio-Angebot der Süddeutschen verantwortlich. Mit Levin Kubeth hat er über die Arbeit meiner alten Bekannten (Ich habe zwölf Jahre lang für die SZ in Leitungsfunktionen gearbeitet) gesprochen. Darin erklärt Leitgeb, weshalb die SZ die Produktion ihrer Podcasts vor einigen Jahren ins eigene Haus geholt hat, gleichzeitig aber auch auf die Zusammenarbeit mit Audio-Plattformen wie FYEO von ProSiebenSat.1 und neuerdings eben auch Spotify setzt. Über die Vorteile dieser Kooperationen sagt er:

„Es gibt eine feste Vergütung pro Format, dadurch können wir aufwendig produzieren, uns über viele Monate Zeit nehmen und Sounddesigner bezahlen.“

In dem Interview geht es auch um neue Abhängigkeiten, die geschaffen werden, und um die bislang noch unglücklichen Lösungen für Podcast-Formate auf der eigenen Website. Leitgeb spricht auch über die komplizierte Reichweitenmessung von Podcasts über unterschiedliche Plattformen und erklärt, wie die SZ das Problem für sich gelöst hat. Das Interview mit dem Audio-Experten kannst du als Medieninsider hier nachlesen


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Wie die GLAMOUR Shopping-Week hohe Reichweiten und Millionenumsätze erzielt

Es ist eines der größten Shopping-Events in Deutschland: die GLAMOUR Shopping-Week. Seit nun schon 15 Jahren gilt sie als Markenevent, von dem nicht nur Leserschaft und Verlag, sondern auch Marken und Handel profitieren. Was ist das Erfolgsrezept? Hier kannst du mehr dazu lesen.


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Print gewinnt!

Die Zeiten des allgemeinen Kräftemessens zwischen Print- und Online-Redaktionen gelten als überholt und in vielen Medienhäusern auch tatsächlich als vorbei. Wer Zukunft gestalten will, hat erkannt: Es geht nur gemeinsam. Und trotzdem die Frage: Was bleibt nach all den Jahren, in denen so viel Energie für Eitelkeiten draufgegangen ist? Aufgepasst, denn ich sage: Print bleibt, Print hat gewonnen! Bitte was?

Der aktuelle Konflikt zwischen Facebook und den Medien in Australien führt die Vorzüge des Prinzips Print noch einmal deutlich vor Augen. Meine Ausführungen dazu findest du in meiner aktuellen Kolumne. Du kannst sie als Medieninsider hier lesen.


Mehr News & Entdeckungen aus der Woche

zusammengetragen von Florian Boldt & Zoë Brunner

Facebook zieht Nachrichten-Blockade in Australien zurück 

Facebook will die Sperre journalistischer Inhalte für australische Nutzer in den kommenden Tagen wieder aufheben. Grund ist die Zustimmung der Regierung Australiens, das geplante Mediengesetz umzugestalten. Laut neuen Entwürfen müsste sich Facebook mit Nachrichtenproduzenten nicht mehr auf eine direkte, monetäre Gegenleistung verständigen, sondern könnte auch einen „signifikanten Beitrag zur Nachhaltigkeit der australischen Nachrichtenindustrie“ leisten. Mehr Zeit für Verhandlungen soll es auch geben. Das angekündigte Schiedsgericht soll nur noch als letzter Ausweg eingesetzt werden, wenn die Tech-Konzerne nicht nachweisen können, alle Anstrengungen unternommen zu haben. Facebook sieht damit den Verhandlungszwang aufgegeben. Das Gesetz ermögliche, „die von uns ausgewählten Verlage zu unterstützen“, so Facebook-Managerin Campbell Brown.

Zuvor hatte das Mediengesetz vorgesehen, dass Facebook und Google (individuell ausgehandelte) Lizenzgelder für die Verbreitung lokaler Medieninhalte zahlen müssen, sonst hätte das Schiedsgericht den Betrag bestimmt. Während Googlebereits erste Verträge mit australischen Nachrichtenportalen abschloss, ließ Facebook den Streit eskalieren und sperrte News. Die australische Regierung zog daraufhin vorerst sämtliche Werbeaufträge an Facebook zurück. Hintergründe zur aktuellen Entwicklung findest du unter anderem bei CNN.

Podcast-Offensive: Spotify setzt auf Interaktivität und optimiert Monetarisierung

Spotify weitet die Möglichkeiten für Podcaster aus und ermöglicht zukünftig, bezahlte Zusatzinhalte für Podcasts zum Abruf zu stellen. Ein Beta-Test ist geplant, einen genauen Termin gibt es noch nicht. Außerdem kündigte Spotify an, dass Podcasts bald auch um interaktive Funktionen wie Umfragen oder Videoeinbindung erweitert werden können. Für die entsprechenden Beta-Tests ist die Registrierung Anchor bereits möglich. Über eine Kooperation mit WordPress soll es noch einfacher werden, einen Podcast über Spotify zu starten.

Auch die Vermarktung von Podcasts steht im Fokus von Spotify. So startet demnächst das Spotify Audience Network, ein Marktplatz für zielgruppendefinierte Audiowerbung in Podcasts. Über das Spotify Ad Studio können Werbetreibende nun auch Werbung in Podcasts platzieren. Zeitgleich kündigte Spotify zwölf neue Podcast-Original-Produktionen für Deutschland an sowie die Expansion in 80 weitere Märkte. Die komplette Info-Veranstaltung von Spotify findest du bei YouTube.

Podimo sammelt weitere 11,2 Millionen Euro ein

Die Podcast-Plattform Podimo sammelt weitere 11,2 Millionen Euro Risikokapital ein. Investiert haben unter der Führung des Chr. Augustinus Investment Funds bereits bestehende Investoren sowie der spanische VC Aldea Opportunity Fund. Mit dem frischen Kapital will die Plattform mehr eigenen Content produzieren, die Nutzerfreundlichkeit sowie den Empfehlungsalgorithmus verbessern. Podimo wurde 2019 in Dänemark und kurz darauf auch in Deutschland gestartet, vergangenes Jahr folgte die Expansion nach Spanien. Ein Porträt über Podimo kannst du als Medieninsider hier lesen

Globale Analyse zeigt: Streamingdienste verdoppeln Werbeeinnahmen bis 2025

Bis 2025 werden sich die Werbeeinnahmen von Streamingplattformen auf 54 Milliarden US-Dollar erhöhen, prognostiziert eine weltweite Analyse des Marktforschungsspezialisten Warc. Schon in den vergangenen fünf Jahren verschoben sich Werbekampagnen immer stärker vom linearen Fernsehen in den Streaming-Bereich: So seien die Ausgaben im klassischen TV um 47 Milliarden US-Dollar zurückgegangen, bei Online-Angeboten dagegen um 39 Milliarden US-Dollar gestiegen. Trotz der Corona-Pandemie hätten Branchen-Größen wie YouTube oder Hulu ihre globalen Werbeeinnahmen 2020 sogar um zehn Prozent steigern können. 26,7 Milliarden US-Dollar seien im vergangenen Jahr in die Kassen werbefinanzierter Video-Portale geflossen. In Deutschland sollen die Einnahmen von 599 Millionen auf 1,1 Milliarden US-Dollar in 2025 wachsen. Mehr dazu kannst du hier bei Horizont lesen. Die Warc-Studie findest du hier.

75 Freie gekündigt: Kritik am Programmumbau im rbb


Laut Journalistenverband Berlin-Brandenburg (JVBB) haben rund 75 freie Mitarbeiter des rbb Fernsehens „in den vergangenen Tagen die Kündigung ihrer bisherigen Verträge erhalten“. Hintergrund ist der Umbau des Vorabendprogramms zum Jahreswechsel. Die Arbeitnehmervertretungen des Senders fordern in einem Schreiben an die Führung, die Kollegen „mit  höchster Priorität bei der Auswahl des Personals für die Nachfolgeformate zu berücksichtigen bzw. mit neuen Aufgaben in anderen Bereichen des Hauses zu betrauen.“ Auf Nachfrage von Medieninsider erklärt ein rbb-Sprecher, man werde mit den Betroffenen nun das Gespräch suchen. Man sei zuversichtlich „gute Lösungen zu finden“. Im Zuge des Umbaus werden die Länder-Magazine zibb und rbb um6 eingestellt. Darauf folgen sollen ein Ratgeber-Format und ein Live-Talk. Die Stellungnahme des DJV kannst du hier lesen, die Stellungnahme der Arbeitnehmervertretung innerhalb des Senders findest du hier. Weitere Informationen zum Programmumbau hält Dwdl bereit

Rbb-Radio bald nur noch im Netz?

Die öffentlich-rechtlichen Radioangebote RadioEinsFritzInfoRadioCosmo und rbbKultur vom rbb könnten zukünftig ins Internet verlegt werden. Das berichtet Steffen Grimberg als Vorsitzender des Journalistenverabends Berlin Brandenburg (JVBB). Die Angebote könnten zukünftig nur noch als App oder in der Audiothek erhältlich sein. Die Abschaffung der klassischen Radio-Ausstrahlung erfordert die Zustimmung des rbb-Rundfunkrats, kann unter anderem nur erfolgen, wenn der rbb ein ausreichend verlagertes Nutzerverhalten nachweisen kann. Andere rbb-Sender wie das regionale Hörfunkprogramm (heute: rbb 88,8) für Berlin und Brandenburg (heute: Antenne Brandenburg) könnten den Planspielen zufolge weiterhin auch analog verbreitet werden. Die Veränderungen stehen im Zuge des neuen Staatsvertrag für den rbb an. Ein Sprecher erklärt gegenüber dem Tagesspiegel, dass eine Festlegung auf bestimmte Verbreitungswege zu kurz greifen würde. Mehr zu diesem Thema erfährst du beim Tagesspiegel.


Deine Adresse für vertrauliche Informationen

Über unseren anonymen Briefkasten kannst du uns vertraulich Informationen und Dokumente zuspielen. Du findest ihn unter medieninsider.com/briefkasten. Du kannst dich auch via Threema an Founding Editor Marvin Schade wenden. 

Lesetipp

Die Konflikte rund um das neue Mediengesetz in Australien stehen pars pro toto für viele Auseinandersetzungen, die die Medienkonzerne mit Staaten und ihren dortigen Medienindustrien führen. Ob ein leistungsfähiger – das heißt finanziell gut ausgestatteter – Journalismus zur Stärkung einer Demokratie und Gesellschaft beiträgt oder nicht: Google und Facebook lassen sich ungerne Konditionen vorschreiben, die sie Geld kosten. In Australien hat Mark Zuckerberg deutlich gemacht, wie lang der Hebel ist, an dem er sitzt. 

Man kann und man muss über die direkte Rolle der Tech-Konzerne diskutieren. Es gibt aber auch viele weitere Optionen, wie der Journalismus unter Teilhabe der Techkonzerne gestärkt werden kann. Justin Hendrix, CEO und Herausgeber von Tech Policy Press und ehemaliger Geschäftsführer des NYC Media Lab erinnert in einem Beitrag für MIT Technology Review daran und zitiert einige Szenarien, die die US-Wettbewerbsbehörde FTC, bereits 2010 aufgestellt hatte. Darunter:

► Eine Frequenzauktionssteuer (spectrum auction tax): Hier würden Teile der Erlöse aus beispielsweise Auktionen für Mobilfunkfrequenzen, teilweise in den Journalismus abfließen. 

► Eine digitale Werbesteuer: Ein geringer Prozentsatz von nur zwei Prozent hätte 2010 in den USA bereits fünf bis sechs Milliarden Dollar generiert. 

► Eine Steuer auf Mobilfunkverträge: Immer mehr Journalismus wird mobil konsumiert. Eine Steuer auf Mobilfunkverträge wäre so etwas wie eine Gebühr wie man sie für Verwertungsgesellschaften kennt. 

► Hendrix bringt eine weitere, eigene Idee ein: Der Journalismus könnte von den Datenschutz- und Kartellrechtsverstößen der Tech-Konzerne profitieren, in dem ein Teil der verhängten Bußgelder an ihn durchgeleitet würde. Hendrix nennt die 2019 von der FTC, der US-Wettbewerbsbehörde, Strafe in Höhe von 5 Milliarden Dollar gegenüber Facebook.

Die von Hendrix aufgeworfenen Optionen dürften nicht jedem gefallen. Sie sind es aber wert, nicht in Vergessenheit zu geraten und weiter diskutiert zu werden. Seinen Beitrag bei Technology Review kannst du hier nachlesenDas Papier der FTC aus 2010 findest du hinter diesem Link


Viele Grüße sendet dir 

Alexandra

Alexandra Borchardt
Alexandra Borchardthttps://alexandraborchardt.com/
Dr. Alexandra Borchardt ist Journalistin mit mehr als 25 Jahren Berufspraxis, 15 davon in Führungspositionen (Süddeutsche Zeitung, Plan W). Sie ist Buchautorin, Beraterin und Professorin. Im April 2020 übernahm sie die Co-Leitung des Studiengangs Medien.Kultur.Journalismus an der Universität der Künste in Berlin, darüber hinaus ist sie u.a. Senior Research Associate am Reuters Institute for the Study of Journalism an der University of Oxford. Als journalistische Leiterin ist sie außerdem für das Digital Journalism Fellowship an der Hamburg Media School verantwortlich. Foto: Ina Abraham
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