RTL-Springer-Tochter Pool TV: Keine Bundestagsbilder mehr für Ruptly

Ausgabe #10/2022

Hallo Medieninsider!

Schön, dass du dabei bist! Was dich in dieser Woche im Lese-Letter unter anderem erwartet:

► Was Kriegsreporter über ihre Arbeit in der Ukraine und zur Pressefreiheit in Russland sagen

► Wie Bewegtbild-Anbieter mit der russischen Video-Agentur Ruptly umgehen 

► Was Funke zum jüngsten Angebot aus dem BDZV sagt 

► Was das Geschäftsmodell von Medien mit der Schwerfälligkeit der Transformation zu tun hat 

Der kostenlose Medieninsider-Newsletter

Keine unserer Artikel verpassen! Mit unserem Newsletter halten wir dich auf dem Laufenden. Er ist kostenlos und du kannst ihn jederzeit abbestellen.

Der Krieg in der Ukraine tobt seit nun zwei Wochen und zahlreiche mutige Reporter sorgen dafür, dass die Welt ihn nicht ignorieren kann. Wir haben mit einigen von ihnen gesprochen.

Am Sonntagabend schalteten sich ZDF-Reporterin Katrin EigendorfBild-Vize Paul RonzheimerWelt-Korrespondent Steffen SchwarzkopfCicero-Journalist Moritz Gathmann, der freie Journalist Jan Vollmer und Christian Mihr von Reporter ohne Grenzen in unserem Twitter-Space zusammen. Sie gaben Einblicke in ihre Arbeit vor Ort, sprachen mit uns über ihre ukrainischen Kollegen und die Zensur in Russland. Eine wertvolle und transparente Debatte, die mittlerweile mehr als 14.000 Abrufe erzielt hat. 

Der knapp zweistündige Space ist nach wie vor online und kann hier angehört werden. Wir haben ihn aber auch zusammengefasst und die wichtigsten Aussagen hier notiert. Ein paar teile ich mit dir hier im Newsletter:

ZDF-Reporterin Katrin Eigendorf berichtet über das Misstrauen gegenüber Journalisten in der Ukraine. Sie und ihr Team hätten eine Schalte abbrechen müssen, weil sie von rund 20 Männern umzingelt worden seien. Sie sagt:


„Von einer Möglichkeit zur freien Berichterstattung kann man wirklich nicht mehr reden.“


Der Grund: Überall im Land seien russische Spione unterwegs. Moritz Gathmann sagt:


„Man kann von einer Spionomanie sprechen.“
 

Die Sicherheitslage der Reporter wird täglich evaluiert, allerdings bricht ihnen auch die Hilfe vor Ort Weg, berichtet Steffen Schwarzkopf, der kürzlich seinen Sicherheitsmann verlor. Schwierige Bedingungen haben auch freie Journalisten, denen der Rückhalt einer Redaktion fehlt. Jan Vollmer:

„Ich glaube es wäre gut, wenn sich Redaktionen mit Freien genauso Gedanken [über Risiken] machen, wie welche, die ihre Korrespondenten vor Ort haben.“ 


Wirklich gefährdet hingegen sind die einheimischen Journalisten. Sie laufen Gefahr, auf russischen Listen zu stehen. Paul Ronzheimer:

„Ich kenne einige, die in den vergangenen Tagen eher panisch geworden sind.“


Mehr Aussagen und Erläuterungen findest du in unserem Artikel. Du kannst ihn als Medieninsider hier lesen

„Wir alle riskieren eine Menge, um darüber zu berichten, was passiert.“ 


An dieser Stelle ein Hinweis: Wir haben eine Aktion gestartet, um im Kampf für die Pressefreiheit in der Ukraine, aber auch in Russland zu unterstützen. Deshalb werden wir im März die Hälfte der Umsätze aus jeder neuen Jahres-Mitgliedschaft an Reporter ohne Grenzen spenden. Das Vorgehen haben wir mit ROG abgestimmt, Geschäftsführer Christian Mihr sagt:


„Mit der Aktion lassen sich zwei gute Taten miteinander verbinden: Unterstützung im Kampf für die Pressefreiheit und für guten Medienjournalismus in Deutschland.“


An dieser Stelle noch eine Bitte: Spread the word. Teile unsere Aktion mit Kollegen, Bekannten oder Freunden. Einen Artikel mit mehr Informationen findest du hier – und hier geht es direkt zur Mitgliedschaft.

Der kostenlose Medieninsider-Newsletter

Keine unserer Artikel verpassen! Mit unserem Newsletter halten wir dich auf dem Laufenden. Er ist kostenlos und du kannst ihn jederzeit abbestellen.


Die Europäische Union hat Sanktionen gegen russische Staatsmedien erlassen, die eine Ausstrahlung von Propaganda-Inhalten in Deutschland und anderen europäischen Ländern verhindern sollen. Ruptly ist von den Sanktionen nicht betroffen. Die Video-Agentur wurde von RT DE gegründet und ist damit ebenfalls kremlfinanziert.

Zwar stellt das Unternehmen zahlreiches Videomaterial aus aller Welt kostenpflichtig zur Verfügung, Putin-Propaganda gibt es für Kunden aber gratis. Wer mit der Agentur zusammenarbeitet, muss sich auch mit dem Fakt auseinandersetzen, damit die Kreml-Politik zu unterstützen. 

Daher haben wir in der Branche herumgefragt: Wie gehen TV-Sender und Bewegtbild-Anbieter mit der russischen Video-Agentur um? Die meisten hatten schon einmal mit Ruptly zu tun, manche sogar einen vollumfänglichen Lizenzdeal. Das Springer-RTL-Gemeinschaftsunternehmen Pool TV hat Ruptly sogar mit Bildern aus dem Bundestag beliefert. 

Wie sich die Anbieter gegenüber Rutply nun verhalten, erfährst du in unserem Artikel. Du kannst ihn als Medieninsider hier lesen

EU-Sanktionen: So gehen TV-Sender mit der russischen Video-Agentur Ruptly um

Foto: Diego González; Ruptly; Montage: Medieninsider

Werbung

Bereit mit Deinem Medien-Start-up durchzustarten?

Du hast eine innovative Geschäftsidee an der Schnittstelle von Content und Technologie, ein interdisziplinäres Team, brauchst aber noch finanzielle & fachliche Unterstützung? Dann bewirb Dich bis zum 8. April für das Media Innovation Fellowship


Kein Kriegs-, aber ein Krisengebiet ist auch der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV). Nachdem die Vize-Präsidenten der Lobby-Organisation Kritikerin Julia Becker angeboten haben, in ihre Reihen aufzurücken, hat sie sich für das Gegenteil entschieden: Beckers Funke Mediengruppe wirft hin. Geschäftsführer Christian Rüth hat den Austritt aus dem Verband erklärt. 

Medieninsider sind näher dran: Wir haben am Wochenende zuerst über die Entwicklung berichtet. Den Artikel dazu kannst du als Medieninsider hier lesen

BDZV-Beben: Funke Mediengruppe kündigt Mitgliedschaft im Verlegerverband


Sie war eine der ersten Branchen, die sich der digitalen Transformation stellen musste. Sie war eine der ersten Branchen, die Disruption erlebt hat, neue Geschäftsmodelle erarbeitete und schnell realisieren musste. Und trotzdem tut sich die Medienbranche schwer mit organisatorischen Veränderungen. Unsere Kolumnistin hat sich mit Gründen dafür auseinandergesetzt und sie um eine These erweitert. Die Schwerfälligkeit, sagt sie, liegt auch an den Faible für die nach außen gerichtete Kommunikation. 

Ich habe Claudias Kolumne mit Interesse gelesen. Sie regt zum Nachdenken darüber an, dass der Ursprung vieler Probleme mal wieder an einer Stelle liegt: bei uns selbst. Den Artikel kannst du als Medieninsider hier lesen

Darum scheitert der Kulturwandel in der Medienbranche so häufig 


News und Entdeckungen der Woche 

Lobby-Arbeit in Berlin: Springer investiert mehr als Google

Axel Springer gibt 3,1 Millionen Euro für die Lobby-Arbeit im Deutschen Bundestag aus. Die Ausgaben liegen damit etwa 100.000 Euro über denen von Google. Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) investiert über eine halbe Million in die Beeinflussung der deutschen Bundespolitik. Eine Übersicht auf Basis des neuen Transparenzregisters hat Horizont erstellt. Den Beitrag findest du hier

RT DE: Landesmedienanstalt verhängt Bußgeld

Die Medienanstalt Berlin Brandenburg hat ein Bußgeld in Höhe von 25.000 Euro gegen RT DE verhängt und droht mit einer weiteren Strafe in Höhe von 40.000 Euro, sofern der russische Staatssender in Deutschland seinen Sendebetrieb nicht einstellt. Die Medienanstalt geht gegen RT DE vor, weil keine Sendelizenz vorliegt. Der Sender wehrt sich, auch per Eilantrag beim Verwaltungsgericht Berlin. Das Bußgeld bliebe davon aber unberührt, heißt es. Mittlerweile hat auch die EU-Kommission sowohl RT als auch Sputnik sanktioniert. Das betrifft nicht nur den Deutschland-Ableger, sondern auch weitere Sender in Europa. Mit dem Schritt will die Politik die Ausbreitung von russischer Propaganda verhindern. Mehr dazu findest du beim RND. 

Google News sperrt Accounts von RT DE und Sputnik

Nach Erlass der EU-Sanktionen vor einer Woche hat auch Google die Accounts von RT DE und Sputnik gesperrt. Bis Anfang dieser Woche waren sie allerdings noch da, verschwanden nach mehreren Nachfragen von Medieninsider an Google. Erklärungen von Google gab es dazu nicht. 

Der kostenlose Medieninsider-Newsletter

Keine unserer Artikel verpassen! Mit unserem Newsletter halten wir dich auf dem Laufenden. Er ist kostenlos und du kannst ihn jederzeit abbestellen.

Internationale Berichterstatter reagieren auf neues Mediengesetz in Russland 

Die russische Regierung verhindert die Berichterstattung unabhängiger Medien. Ein neues Mediengesetz stellt kremlkritische Äußerungen unter Strafe. Die dortige Politik formuliert dieses Gesetz natürlich anders. Zahlreicher internationale Medien reagieren zum Schutz ihrer Mitarbeiter entsprechend, setzen die Berichterstattung von Korrespondenten aus oder ziehen sie sogar ab – darunter die BBC, die ARD oder auch die FAZ, die ihre Berichterstattung anderweitig aufrechterhalten wollen. Unterdessen wurden in Russland erste Geldstrafen verhängt, unter anderem gegen einen 26-Jährigen, dem die Verunglimpfung der russischen Armee vorgeworfen wurde. Mehr über die ersten Strafen erfährst du bei der Tagesschau, über den Rückzug internationaler Medien findest du beispielsweise etwas bei Zapp.

ProSiebenSat.1 und Ströer legen Geschäftszahlen für 2021 vor

ProSiebenSat.1 hat 2021 einen Umsatz von 4,49 Milliarden Euro verzeichnet und damit elf Prozent mehr als im ersten Corona-Jahr 2020. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) lag bei 840 Millionen Euro und damit 19 Prozent über Vorjahr. Das Konzernergebnis weist der Konzern mit 362 Millionen Euro aus – 64 Prozent über Vorjahr. 

Vorläufige Geschäftszahlen hat auch der Ströer-Konzern vorgelegt: Der Umsatz stieg 2021 um 13 Prozent gegenüber Vorjahr auf 1,63 Milliarden Euro, das EBITDA wuchs entsprechend mit auf 513 Millionen Euro. Das Konzernergebnis lag mit 170 Millionen Euro 35 Prozent über Vorjahr. Endgültige Zahlen will der Konzern am 30. März vorlegen. Mehr Informationen zu den Zahlen von ProSiebenSat.1 findest du bei Dwdl, einen Bericht über Ströer gibt es bei Horizont

Experten sehen Zustellung gedruckter Zeitungen in der Schweiz als „Auslaufmodell“

Die Expertenkommission Grundversorgung Post aus der Schweiz sieht die Zustellung von gedruckten Tageszeitungen als „Auslaufmodell“, da Informationen ab 2030 „überwiegend“ digital konsumiert werden. „Entsprechend wird auch die Verpflichtung zur Tageszustellung von abonnierten Zeitungen und Zeitschriften im Rahmen der Grundversorgung ab 2030 hinfällig“, schreiben die Experten weiter. Auf das Papier aufmerksam gemacht hat der Medienwissenschaftler Christopher Buschow. Mehr dazu findest du hier.

LinkedIn launcht Podcast-Netzwerk 

LinkedIn baut seine Audio-Aktivitäten aus und arbeitet an einem Podcast-Netzwerk, wie Axios berichtet. In einem Pilotprojekt sind vorerst zwölf exklusive LinkedIn Presents vertretenAngelehnt ans Selbstverständnis des sozialen Mediums befassen sich die Podcasts vor allem mit Karriere-Themen und werden von entsprechenden Influencern gehostet. Mehr findest du hier bei Axios


Lesetipp

Bei unserem Twitter-Space am Sonntag ging es auch um die Zensur der unabhängigen Medien in Russland. Viele von ihnen werden dicht gemacht, weil kremlkritische Berichterstattung nun unter Strafe steht. Moritz Gathmann formulierte die bedenkliche Entwicklung dort treffend:


„Diese Oasen der Freiheit werden jetzt wirklich platt gemacht.“ 

Viele, die diese Oasen bislang am leben gehalten haben, müssen nun fliehen. Leider haben wir am Sonntag keinen Gast aus Russland in der Runde gehabt, dafür sorgen andere Medien an dieser Stelle für Öffentlichkeit. Daher habe ich nicht nur einen Lesetipp, sondern mehrere, die sich mit der Zensur in Russland befassen:

► So hat Zeit Online mit drei geflohenen Journalisten gesprochen, die jetzt nicht wissen, wie es für sie weiter geht.

► ARD Aktuell hat mit Tichon Dsjadko gesprochen. Er ist Chefredakteur des seit Jahren gegen den Kreml ankämpfenden TV-Kanals Dozhd. Er und sein Team mussten ebenfalls fliehen.

► Auch die FAZ hat mit einem russischen Journalisten gesprochen, der wie viele andere anonym bleiben möchte. Er berichtet über die Arbeit der Website Mediazona, die sich auf die russische Polizei und das Justizsystem spezialisiert hat und ebenfalls in den Fokus der Zensoren geraten ist. Portal und Journalist wollen weitermachen. Er sagt:

„Wir müssen einfach so lang wie möglich mit unserer Berichterstattung weitermachen.“


Und:

„Wir wissen noch nicht, welches Russland wir in einem Monat sehen werden.“

Wir hier in Deutschland können an der Situation vor Ort kaum etwas ändern. Etwas helfen können wir trotzdem: Wir können den Betroffenen zuhören – und Gehör verschaffen. 

Viele Grüße sendet dir
Marvin

Der kostenlose Medieninsider-Newsletter

Keine unserer Artikel verpassen! Mit unserem Newsletter halten wir dich auf dem Laufenden. Er ist kostenlos und du kannst ihn jederzeit abbestellen.

Wenn dir der Artikel gefällt, dann teile ihn in sozialen Netzwerken, aber nicht als PDF innerhalb deiner Organisation. Dafür ist eine Lizenz notwendig.

INSIGHT #2

Berichte, Analysen, Wortlautprotokolle: Alle Medieninsider-Artikel zur Causa Reichelt in einem Dossier auf 68 Seiten.

Marvin Schadehttps://medieninsider.com
Marvin ist Co-Gründer und Founding Editor von Medieninsider und hat sich damit einen kleinen Traum erfüllt. Vor der Gründung war er mehrere Jahre für den Branchendienst Meedia in Hamburg und Berlin tätig, arbeitete kurz beim Focus Magazin und zuletzt für Gabor Steingarts Morning Briefing.

DEINE MEINUNG IST GEFRAGT

Please enter your comment!
Hier Namen eintragen

Mehr von Medieninsider

Der kostenlose Medieninsider-Newsletter

Keine unserer Artikel verpassen! Mit unserem Newsletter halten wir dich auf dem Laufenden. Er ist kostenlos und du kannst ihn jederzeit abbestellen.