Über die Bedeutung einer ordentlichen Fehlerkultur

Ausgabe #07/21

Hallo Medieninsider!

schön, dass du dabei bist! Was dich im Lese-Letter unter anderem erwartet:

► Wie Medienanalyst Ken Doctor in den USA eine lokaljournalistische Revolution starten will

► Schantins Medienkolumne: Fehlerkultur als Qualitätsmerkmal

► Stellenabbau beim Focus: Betriebsrat kritisiert „Reise nach Jerusalem“

► Facebook führt Journalisten-Registrierung in Deutschland ein

► Presseschau: Was aus RTL und Gruner + Jahr werden könnte

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Wie Ken Doctor jahrzehntelange Erfahrung als Medienanalyst in die Praxis übersetzt

Kinga Rustler, Chefredakteurin Watson.de Foto: Hanna Klein / Montage: Medieninsider

Ken Doctor hat zuletzt über ein Jahrzehntden medialen Wandel beobachtet, ihn als Medienanalyst und Kolumnist des renommierten Nieman Lab (Newsonomics) kommentiert. Er hat zugesehen, wie die regionale und lokale Medienlandschaft in den USA nach und nach ist ausgetrocknet ist und sich Nachrichtenwüsten ausgebreitet haben. Mit anderen Worten: Er hätte allen Grund dazu, keine operative Rolle im regionalen und lokalen Journalismus zu übernehmen. Oder eben doch, gerade aus den oben genannten Gründen. 

Der gelernte Journalist hat im vergangenen Jahrzehnt nämlich genauso verfolgt, wie digitale Transformation gelingen kann und was es dafür braucht. Seine Erfahrungen will er als CEO von Lookout Local in die Praxis übersetzen. 2,5 Millionen US-Dollar hat er sich aus Stiftungen und Föderprogrammen (u.a. Google) besorgt, um in Santa Cruz (Kalifornien) eine Blaupause für modernen, digitalen Lokaljournalismus zu zeichnen. 

Seit fast drei Monaten ist Lookout Santa Cruz, das zwei Jahre Vorbereitungszeit hattenun am Start. Erst vergangene Woche hat das Start-up, das auf ein Membership-Programm und Werbung durch Branded Content setzt, seine Paywall hochgezogen.

„Wenn es uns gelingt, es hier ins Laufen zu kriegen und ein profitables Geschäft aufzubauen, dann ist das eine kleine Revolution.“ 


Ken hat sich in dieser Woche 45 Minuten Zeit genommen, um mit mir im Interview über sein ambitioniertes Vorhaben und ein erstes Fazit zu sprechen. In unserem Gespräch ging er auch offen damit um, wie viele der 275.000 Menschen im Santa Cruz County er und sein Team bereits erreicht und zu zahlenden Nutzern konvertiert haben. Das Interview kannst du als Medieninsider hier lesen


Apropos: Innovationen finden sich längst nicht mehr nur in den USA. Auch in Deutschland verfolgen Journalisten neue Ansätze im Lokaljournalismus. Wir haben im Oktober ausführlich über Projekte wie das Lokalblog Nürnberg oder Rumsin Münster berichtet. Ich habe den Artikel noch einmal herausgesucht: Als Medieninsider kannst du ihn hier lesen.


Advertorial

WahlSwiper: Super-Tool zum Superwahljahr

Die App Clubhouse. Grafik: Medieninsider / Zlatko Plamenov

Das Superwahljahr 2021 mit einer Bundestagswahl und sechs Landtagswahlen stellt viele Redaktionen vor Herausforderungen. Zeit für eine interaktive Innovation! Mit der digitalen Wahlhilfe WahlSwiper bieten Medien ihren Nutzern eine echte Orientierung im Parteiendschungel. Und das Beste: Er kann auf News-Websites kostenlos als Tool eingebaut werden. Im Advertorial erfährst du mehr über die Möglichkeiten mit dem WahlSwiper.


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Fehlerkultur als Qualitätsmerkmal

Die Digitalisierung verschafft Medien höhere Reichweiten als jemals zuvor. Gleichzeitig hat sie redaktionelle Abläufe verkürzt und beschleunigt. Auch müssen im Zweifel weniger Mitarbeiter mehr leisten als früher. Eine grundlegende Sache aber darf auch in Zeiten minütlicher Eilmeldungen und hohem Arbeitsdruck nicht zu kurz kommen, sagt Kolumnist Dietmar Schantin: die Qualitätskontrolle. Wenn mal etwas schief geht, ist Anstand gefragt. „Eine selbstbewusste Fehlerkultur ist ein Qualitätsmerkmal.“ 

In der Kolumne erfährst du, wo Dietmar Schantin Schwächen ausgemacht hat. Als Medieninsider kannst du seinen Text hier lesen


Kultur-Verlust beim Focus

Robert Schneider, Chefredakteur FOCUS Magazin. Foto: Medieninsider/Christian Schoppe/Hubert Burda Media
Robert Schneider, Chefredakteur FOCUS Magazin. Foto: Medieninsider/Christian Schoppe/Hubert Burda Media

Die Corona-Pandemie hinterlässt Spuren, auch beim Focus Magazin. Dort informierten Chefredakteur Robert Schneider (s. Foto) und Burdas Zeitschriftenvorstand Philipp Welte am vergangenen Donnerstag die Belegschaft über weitreichende Veränderungen. Die Redaktion Kultur & Leben wird aufgelöst. Freie sollen das Ressort zukünftig mit Leben füllen. Es wird betriebsbedingte Kündigungen geben. Der Betriebsrat ist empört. 
„Nicht wenige fühlen sich wie bei der Reise nach Jerusalem – welche Abteilung trifft es als nächstes?“, fragt er in einem internen Schreiben. Unseren Bericht kannst du als Medieninsider hier nachlesen.


Mehr News & Entdeckungen aus der Woche

zusammengetragen von Florian Boldt & Zoë Brunner

Facebook führt Journalisten-Registrierung auch in Deutschland ein 

Facebook führt in Deutschland eine freiwillige Journalisten-Registrierung ein. Freiberufliche und festangestellte Journalisten können sich mit ihrem privaten Facebook-Profil registrieren, wenn sie für ein von Facebook verifiziertes Medienunternehmen arbeiten. Damit soll das Journalisten-Konto unter zusätzlicher Beobachtung von Facebook stehen, um so schneller auf Belästigungen zu reagieren und vor potenziellen Hacking-Angriffen zu schützen, heißt es. Diese Sicherheitsfunktion soll zukünftig auch bei Instagram vorhanden sein. Mehr zu diesem Thema findest du bei Facebook Business.

„RTL United“: Mediengruppe RTL arbeitet an Markenrelaunch, aus TV Now wird RTL+

Die RTL Group arbeitet an einem umfassenden Relaunch ihrer zahlreichen Untermarken im TV- und Radio-Segment, berichtet Dwdl. In diesem Zuge soll auch der Streaminganbieter TV Now als RTL+ neu positioniert werden. Ziel sei es, das Markenchaos mit unterschiedlichen Bezeichnungen und Logos aufzulösen, um internationalen Anbietern wie NetflixDisney oder Amazon etwas entgegenzusetzen. TV Now, das früher schon einmal die Marke RTL in seinem Namen trug, war 2016 positioniert worden, um die Zusammenarbeit mit anderen Marken zu ermöglichen. Mehr Details findest du bei Dwdl. 


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Tagesthemen sendet jetzt Pro-Contra-Kommentare

Am Montagabend haben die Tagesthemen erstmals eine Pro-Contra-Debatte gesendet. Kristin Schwietzer vom MDR und Tom Schneider vom HR gaben gegenteilige, aber gleichberechtigte Positionen zum Thema Schulöffnungen ab. Die ARDwolle damit „die Meinungsvielfalt und das Meinungsspektrumstärken“, erklärt Helge Fuhst, zweiter Chefredakteur bei ARD-aktuell und damit verantwortlich für die Tagesthemen, im Interview mit der Welt. Die Rubrik soll zukünftig in unregelmäßigen Abständen wiederkehren. Im vergangenen Herbst war der Tagesthemen-Kommentar bereits in „Meinung“ umbenannt worden, um zu zeigen, dass es oft auch mehrere Sichtweisen gebe. Die erste Pro-Contra-Debatte kannst du dir hier ansehen. Das Welt-Interview mit Helge Fuhst findest du hier.

Facebook arbeitet an eigener Clubhouse-Funktion   

Facebook plant eine Audio-Chat-Funktion, wie man sie von Clubhouse kennt. Damit reagiert das Unternehmen auf den Hype um die Social-Audio-App. Es ist nicht das erste Mal, dass sich Facebook von anderen Produkten inspirieren lässt. Die Instagram Reels-Funktion wurde von TikTok kopiert, die Story-Funktion hatte Snapchat zuerst. Neben Facebookarbeitet auch Twitter an einer vergleichbaren Audio-Funktion. Twitter Spaces befindet sich bereits in der Beta-Phase. Mit der Podcast-App Fireside ist ein weiterer Clubhouse-Konkurrent in Planung. Mehr zu diesem Thema findest du bei Reuters

Die New York Times testet ein Paid-Angebot für Kinder 

Die New York Times entwickelt ein digitales Paid-Angebot für Kinder im Alter von acht bis elf Jahren. NYT kids soll eine Reihe von kindgerecht aufbereiteten Themen und Aktivitäten wie Basteln, Rezepte und Gedankenexperimente bieten. Das Produkt, das nach Unternehmensangaben werbefrei sein soll, baut auf einer bestehenden Print-Rubrik auf. Diese erscheint seit 2018 monatlich in der regulären Print-Ausgabe der Sunday New York Times. Mehr zu dem Thema findest du bei Axios.


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Mehr News aus dem Personalticker:

► Ex-Handelsblatt-Chef Sven Afhüppe lobbyiert jetzt für die Deutsche Bank

► Ex-NYT-CEO Mark Thompson soll Mitglied im Springer-Aufsichtsrat werden

► NZZ: Döpfner-Referent Benedict Neff wird Ressortleiter Feuilleton

► Manager MagazinJennifer Lachmann übernimmt Geschäftsführer-Aufgaben von Stefan Ottlitz

► Stiftung Warentest: Isabella Eigner ist neue Chefredakteurin

► SR: Rundfunkrat nominiert drei Intendanten-Kandidaten


Lesetipp

Es war eines der größten Medienthemen der vergangenen Woche: Das Hamburger Verlagshaus Gruner + Jahr und die Mediengruppe RTL sollen nach Plänen von CEO Thomas Rabe innerhalb des Bertelsmann-Konzerns enger zusammenarbeiten. Eine Fusion der beiden Medienhäuser ist nicht nur naheliegend, sieh liegt nahezu auf der Hand. Denkverbote, wie es so schön heißt, gibt es nicht. Es ist viel geschrieben worden über „RTL + Jahr“, viel wird spekuliert. An dieser Stelle seien ein paar Artikel von Kollegen, die versuchen, die Lage zu sortieren, empfohlen:
 
So hat sich Gregory Lipinski genauer mit der Frage befasst, wie eine Verschmelzung von RTL und Gruner aussehen könnte. So stelle sich Thomas Rabe, CEO des Mutterkonzerns Bertelsmann, vor, einen „nationalen Medien-Champion“ zu formen. Die TV-Tochter der RTL-Gruppe gerate durch „die wachsende Marktmacht der Tech-Konzerne aus dem Silicon Valley“ unter „Veränderungsdruck“, vermutet Lipinski. Die Beteiligungen der Noch-Konzernschwester Gruner und Jahr an Tageszeitungen könnten an Mitbewerber abgegeben werden. In Köln könnte eine konzernübergreifende Zentralredaktion entstehen, die „die Print-, Online- und TV-Marken beider Häuser aus einer Hand bedient“. Zum Beispiel könnte der Stern weitere Ressorts ausgliedern, die dann in Köln verantwortet werden. Lipinskis Szenario kannst du hier nachlesen.
 
In einem weiteren Artikel spekuliert Lipinski über einen Teilerwerb von G+J durch RTL, also eine Zerschlagung. Nur Marken wie SternGeo oder Brigitte, die entweder wirtschaftlich gut aufgestellt sind oder redaktionelle Synergien ermöglichen, würden dann unter das RTL-Dach wandern. Außerdem könnten durch eine Teilfusion leichter redaktionelle Stellen abgebaut und Kosten eingespart werden, schreibt Lipinski. Für viele kleinere Marken bedeute dies den Verkauf oder die komplette Einstellung. 
 
Carsten Germis befasst sich in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung genauer mit der Rolle von Gruner-Chefin Julia Jäkel. Die mögliche Fusion sei die logische Folge der Digitalisierung des Medienhauses sowie bisheriger konzernweiter Kooperationen wie der Content Alliance. Schon seit 2019 prüfe die 49-Jährige als dessen Chefin, „wie Medieninhalte über so unterschiedliche Kanäle wie Magazine, Radio, Fernsehsender und Bücher effizienter gesteuert und verknüpft werden können“. Auch für mehr gemeinsame Arbeitsvorhaben innerhalb des Bertelsmann-Konzerns setze sich Julia Jäkel schon lange ein, schreibt Germis weiter. Seinen Text findest du hier .
 
Mit möglichen Konsequenzen der Machtverschiebungen bei RTL und Gruner + Jahr für den Spiegel hat sich Ulrike Simon auseinandergesetzt. Gruner + Jahr hält eine Sperrminorität am Spiegel Verlag. RTL könnte die Ausrichtung des Hamburger Magazins mitbestimmen. Allerdings gebe es bereits Pläne der übrigen Mitgesellschafter, bei einer Anteilsübertragung ihr Vorkaufsrecht zu nutzen. Schon ein zusätzlicher Anteil über ein halbes Prozent würde für eine Dreiviertelmehrheit der Augstein-Familie und der Mitarbeiter-KG ausreichen. Dieses Szenario trete aber nur dann ein, wenn Gruner + Jahr nach einer Fusion in RTL aufgehen und nicht unter eigenem Namen fortbestehen sollte. Den ganzen Text von Ulrike Simon findest du hier.


Viele Grüße sendet dir 

Marvin

Marvin Schade
Marvin Schadehttps://medieninsider.com
Marvin ist Co-Gründer und Founding Editor von Medieninsider und hat sich damit einen kleinen Traum erfüllt. Vor der Gründung war er mehrere Jahre für den Branchendienst Meedia in Hamburg und Berlin tätig, arbeitete kurz beim Focus Magazin und zuletzt für Gabor Steingarts Morning Briefing.
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