Ozy-Gründer Carlos Watson glaubt, er kann weitermachen

Ausgabe #40/21

Hallo Medieninsider!

Schön, dass du dabei bist! Was dich in dieser Woche im Lese-Letter unter anderem erwartet:

► Wie die NZZ in Deutschland mit Verticals wachsen will 

► Weshalb gerade so viel über Ozy Media gesprochen wird

► Womit sich der nächste Substack-Konkurrent von Substack unterscheiden will

► Wie der Podcast seinen Weg in den Mainstream fand

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Vertical als Vehikel: NZZ Deutschland startet Paid-Newsletter

Newsletter sind längst unverzichtbarer Bestandteil in einer digitalen Vertriebsstrategie geworden und manchmal sind sie auch das Produkt. Am häufigsten ist das in der journalistischen Creator Economy zu beobachten. Dort schicken Autoren das, was sie ihren Nutzern mitteilen wollen, direkt ins Postfach – ohne Umwege und in voller Länge. Oft und zunehmend gegen Geld und damit exklusiv für zahlende Abonnenten. 

Hier und da ist das auch in der Welt der etablierten Medien zu beobachten, oft im B2B-Kontext. Bei der NZZDeutschland hat man sich Gedanken darüber gemacht, ob das Vorhaben nicht auch für ein breiter interessiertes und größer angelegtes Publikum funktioniert – und testet es nun aus. 

Seit gestern erscheint mit Planet A der erste Paid-Newsletter, in dem sich ein Team um Host Kalina Oroschakoff (kürzlich von Politico Europe zur NZZgewechselt) wöchentlich mit dem Klimawandel befasst. Aufgeladen durch beispielsweise themenverwandte Events soll so ein Vertical entstehen, das sich über ein eigenes Abo-Angebot finanziert. 

Ich habe vorab mit Kalina Oroschakoff über ihren neuen Newsletter und die inhaltliche Ausrichtung gesprochen und mir von Jan-Eric Peters, Geschäftsführer der NZZ in Deutschland, die Strategie dahinter erklären lassen. Unter anderem will er mit Verticals ein bestimmtes Dilemma von Publikumsmedien auflösen:

„Dass sich Kunden oft nicht für das gesamte Produkt interessieren, sondern vor allem für Teile davon.“

Wie er am Ende dafür sorgen will, dass aus den Verticals Vehikels für das Hauptprodukt, das Digital-Abo der NZZ werden, welches Pricing sich er und sein Team überlegt haben und welches weitere Vertical bereits in Planung ist, erfährst du in meinem Artikel. Du kannst ihn als Medieninsider hier lesen


Die Ozy-Saga: Geschichte einer (Ent-)Täuschung

Wann hast du das letzte Mal etwas über Ozy Media gehört? Ich bin ehrlich: ich ewig nicht. Überhaupt hatte man in Deutschland die Marke nur kurz auf dem Schirm, nachdem Axel Springer 2014 als Early-Stage-Investor mit 20 Millionen Dollar eingestiegen war.

Ozy ist – auch in den USA – eher eine Randerscheinung geblieben, nun trotzdem Thema in der Medienbubble und deshalb auch in diesem Newsletter. Weshalb? Weil da gerade eine ziemlich irre Geschichte abgeht. 

Vergangenen Freitag erklärte das Unternehmen seinen 75 Mitarbeitern kurzerhand, den Betrieb einzustellen. Nicht einfach so, sondern weil innerhalb kurzer Zeit erste Investoren abgesprungen sind, nachdem die New York Times und anschließend auch andere Medien miese Tricksereien und Betrugsversuche der beiden Gründer aufgedeckt hatten. Es geht um Identitätsdiebstahl, um die Nennung von Investoren, die gar keine sind, und um manipulierte Reichweiten – es geht um eine große (Ent-)Täuschung.

Weil der Fall Ozy äußerst komplex ist und zahlreiche Medien über viele unterschiedliche Vergehen berichtet haben, habe ich ihn dir einmal zusammengefasst. Falls du meinen Text bereits am Wochenende gelesen haben solltest: Seit gestern Abend enthält er auch die neuesten Entwicklungen; dass Gründer und CEO Carlos Watson (siehe Foto) wirklich glaubt, weitermachen zu können. Du kannst den Artikel als Medieninsider hier lesen


Save the dates: Neue Ausgaben Directors‘ Club

Die Live-Interviews von Medieninsider gehen in die nächste Runde. Ich freue mich auf spannende Gäste:

► Am 14. Oktober um 14.30 Uhr wird Sebastian Turner zu Gast sein. Er ist ehemaliger Gesellschafter, Geschäftsführer und Herausgeber des Tagesspiegel und wird mit mir über Gründertum im Journalismus sprechen sowie über seine Ideen für die Transformation von Fachmedien.

► Am 2. November um 15.30 Uhr kommt Janina Mütze in den Directors‘ Club. Sie ist Co-Gründerin des Meinungsforschungsinstituts Civey, das ausschließlich auf Online-Umfragen setzt. Mit ihr werde ich über die Transformation der Demoskopie sprechen – und sicher auch noch einmal auf Umfragen und Prognosen zur Bundestagswahl zurückblicken.

► Und schon am 12. November um 12.00 Uhr besucht mich Andrea Wasmuth im Medieninsider-Studio. Sie ist seit 2020 in der Geschäftsführung der Handelsblatt Media Group und seit diesem Jahr die Vorsitzende Geschäftsführerin. Mit ihr werde ich über ihre Karriere als Medienmanagerin sprechen und ihren Plan für die Mediengruppe.

Du willst dabei sein? Den Livestream, bei dem du auch selbst Fragen einbringen kannst, gibt es exklusiv für Director-Mitglieder. Alle Infos und die Registrierung findest du hier.

Wenn du vorher Fragen einreichen willst, bist du herzlich eingeladen. Schreib doch einfach eine E-Mail an wirsind@medieninsider.com!

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Mehr News & Entdeckungen aus der Woche

zusammengetragen von Kevin Dusch

Veggie Boom soll Funkes erste internationale Medienmarke werden

Die Funke-Tochter Media Partisans hat mit dem Onlineportal Veggie Boom ihre erste länderübergreifende Medienmarke gestartet. Die Plattform veröffentlicht Inhalte zu vegetarischer und veganer Ernährung auf der eigenen Website, YouTube und Facebook in sechs Sprachen. Im Fokus stehen Rezepte und Lifestyle-Themen. Neben kostenlosen Inhalten können Nutzer für vier oder acht Euro zusätzliche Inhalte freischalten, darunter Vorab-Zugang zu Rezepten, Live-Aktionen und Mitgliedschaften in Chatgruppen. Die Pressemitteilung des Verlags findest du hier.

Münchner Verlage setzen sich gerichtlich gegen Stadtportal durch

Eine Reihe von Verlagen, darunter Süddeutsche ZeitungMünchener Merkur und Abendzeitung, setzen sich ein zweites Mal gerichtlich gegen das Stadtportal München.de durch. Laut Oberlandesgericht München seien die Inhalte des Portals der Stadt zu presseähnlich. Basierend auf der verfassungsmäßigen Staatsferne der Presse müssten sich Gemeinden demnach auf Sachinformationen beschränken und dürften weder wertend, noch meinungsbildend publizieren. Darüber hinaus wurde die Menge an Anzeigen sowie das Veranstaltungs- und Kinoprogramm auf dem Portal kritisiert. Es ist wahrscheinlich, dass der Streit in dritter Instanz an den Bundesgerichtshof gehen wird. Das OLG München entscheidet damit anders als das OLG Hamm zum Stadtportal Dortmund.de, wie Juve festhältDie Meldung des Jura-Fachportals findest du hier.

YouTube sperrt Videos von RT Deutsch

YouTube hat die Kanäle Der fehlende Part und RT DE, ehemals Russia Today Deutschland, gesperrt. Grund laut Videoplattform, dass ist, dass RT DE eine temporäre Upload-Sperre durch Hochladen neuer Inhalte über den zu RTgehörenden Kanal Der fehlende Part umgangenen habe. YouTube war gegen RT DE vorgegangen, weil der Kanal Falschinformationen zur Corona-Pandemie verbreitet habe. Die russische Medienaufsichtsbehörde spricht von einem „Akt der Zensur“ und droht nun damit, YouTube in Russland zu blockieren. Eine Meldung zum Thema von der Tagesschau findest du hier.

Öffentlich-rechtliche gehen gegen Bild TV vor – auch Landesmedienanstalt alarmiert

Die öffentlich-rechtlichen Anstalten fordern von Bild Unterlassung und Schadenersatz, nachdem das Boulevardmedium am Wahltag das Sendesignal von ARD und ZDF für seinen eigenen TV-Sender übernommen hatte. Die ARDbegründet diesen Schritt mit einer Verletzung des Urheberrechts. Bild verteidigt sich mit dem Argument, die Wahl sei ein zeithistorischer Moment mit „überragendem öffentlichen Interesse“ gewesen. Zudem seien die Inhalte mit klarem Quellenverweis übernommen worden. Laut Medieninsider-Informationen hat der Streit nun auch die Medienanstalt Berlin-Brandenburg auf den Plan gerufen, die den Fall prüft. Eine aktuelle Meldung zum rechtlichen Vorgehen von ARD und ZDF findest du hier.

ARD möchte Werbung in der Mediathek einführen

Die Werbevermarkter der ARD spielen öffentlich mit der Idee, Werbung auch in der Mediathek auszuspielen. Der scheidende HR-Intendant Manfred Krupp warb auf einer Veranstaltung für Werbekunden dafür, sich für die Idee einzusetzen – auch, um die Beitragsstabilität sicherzustellen.  Anders als in Fernsehen und Radio ist den öffentlich-rechtlichen Sendern Werbung im Internet allerdings gesetzlich verboten. Dwdl war vor Ort und hat mehr Details, den Artikel dazu findest du hier.

Ex-Mitarbeiter von Morning Brew starten Substack-Konkurrenten

Eine Gruppe von ehemaligen Mitarbeitern des US-News-Unternehmens Morning Brew (gehört zu Springers Insider Inc.) haben Startkapital für einen eigenen Newsletterdienst namens Beehiiv eingesammelt. Der Name ist eine Abwandlung des englischen Begriffs Beehive (zu deutsch: Bienenstock) und beschreibt gleichzeitig das Ziel, das sich der Substack-Konkurrent gesetzt hat: Beehiiv soll sich besonders an den Bedürfnissen der vielen kleinen Creators ausrichten und sich nicht auf die wenigen großen konzentrieren. Auch wirbt der Dienst damit, keine Umsatzbeteiligung von Autoren zu verlangen. Der Newsletterdienst befindet sich derzeit in der Beta-Phase und soll im November öffentlich an den Start gehen. Eine Meldung zum Thema von Axios findest du hier, zur Website des Start-ups geht es hier.

Aus dem Personalticker:

► SZ-Geschäftsführung: Stefan Hilscher geht, SWMH-Chef Christian Wegner übernimmt

► NZZ-Managerin Sigrun Albert wird BDZV-Hauptgeschäftsführerin

► Wiebke Meeder wechselt vom Spiegel zu Amazon

► Handelsblatt besetzt Führungsposten neu

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► Digital Content Creator (w/d/m) mit Schwerpunkt Video & Livestream bei MOVACT

► Community-Redakteur (m/w/d) bei Medieninsider


Aus der Medieninsider-Mediathek

► Arist von Harpe über seine Motive für den Kauf der Hamburger Morgenpost, Paid-Content-Pläne und neue Ideen für die Vermarktung. Zum Video und zur Zusammenfassung

► Katrin Gottschalk, Produktchefin und Vize-Chefredakteurin der taz, über Transformation und eine papierlose Zukunft. Zum Video und zur Zusammenfassung.

► Holger Stark, Investigativchef und stv. Chefredakteur der Zeit, über Pressefreiheit und investigativen Journalismus. Zum Video


Lesetipp

Podcasts sind auf dem besten Weg zum Massenmedium. Gaben 2016 noch 14 Prozent der Deutschen an, Podcasts zu hören, waren es in diesem Jahr schon fast 40 Prozent. In anderen Märkten wie den USA steigt die Relevanz noch schneller. Fast jede Medienmarke hat sich schon am beliebten Audio-Medium ausprobiert. 

Podcasts sind also in aller Ohren – aber woher kommt die Bezeichnung Podcast überhaupt? Dieser Frage geht James Cridland auf podcastnews nach – und zeichnet einen Zeitstrahl der Entstehung und Verbreitung dieses Begriffs. Die größten Meilensteine:

► Der Vorläufer des Podcast: Im Januar 2001 taucht das erste Mal Audio-Material in einem RSS-Feed auf. Es ist eine MP3-Datei des Songs „Grateful Dead”. 

► Podcasts auf dem iPod: Im Oktober 2003 kommt Apple ins Spiel. Das erste Programm, mit dem Podcasts automatisch aus RSS-Feeds gezogen werden können, wird entwickelt. Der Name: RSS2iPod.

► Die erste Erwähnung in den Medien: Im Februar 2004 wird der Begriff „podcasting“ in einem Interview im Guardian das erste Mal schriftlich festgehalten.

► „Podcast“ im Podcast: Im September 2004 wird der Begriff „Podcast“ das erste Mal in einem solchen, bei Evil Genius Chronicles, erwähnt. 

Welche weiteren Meilensteine in dieser kleinen Begriffsgeschichte es Anfang der 2000er Jahre gab und wer nun tatsächlich der Erfinder des Begriffs ist, erläutert James Cridland hier.

Ich wünsche dir noch eine schöne Woche! 

Viele Grüße sendet dir

Marvin

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Marvin Schadehttps://medieninsider.com
Marvin ist Co-Gründer und Founding Editor von Medieninsider und hat sich damit einen kleinen Traum erfüllt. Vor der Gründung war er mehrere Jahre für den Branchendienst Meedia in Hamburg und Berlin tätig, arbeitete kurz beim Focus Magazin und zuletzt für Gabor Steingarts Morning Briefing.

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