Haben die Medien in der Corona-Krise versagt?

Ausgabe #45/2021

Hallo Medieninsider!

Schön, dass du dabei bist! Was dich in dieser Woche im Lese-Letter unter anderem erwartet:

► Wie die Corona-Berichterstattung in der Pandemie abgeschnitten hat – und was Journalisten daraus lernen können

► Was den Nachwuchs an der Rheinischen Post stört 

► Wie Sebastian Turner auf Gründungen im Lokaljournalismus blickt 

► Was hinter der Umbenennung von TV Now steckt 

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Viele Redaktionen hatten es schon geahnt, denn der große Zuspruch ihres Publikums muss etwas bedeutet haben: Die Medien-Nutzer haben der Corona-Berichterstattung im ersten Jahr der Pandemie ein überwiegend gutes Zeugnis ausgestellt. Dies geht aus einer umfangreichen, gemeinsamen Studie der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz und der Ludwig-Maximilians-Universität München hervor. Beauftragt hat sie die Rudolf-Augstein-Stiftung.

Verständlich, vollständig, glaubwürdig, sachlich – zwischen 60 und 80 Prozent der Bürgerinnen und Bürger schätzten die Corona-Berichterstattung jeweils so ein, nur maximal 20 Prozent bekennen sich in der einen oder anderen Kategorie als unzufrieden. Waren bislang vor allem Kritiker durchgedrungen, die den Medien zu viel Regierungsnähe und Einseitigkeit vorgeworfen hatten, kam die Berichterstattung sogar in Sachen Vielfalt der Perspektiven recht gut weg.

Nach allerlei schlagzeilenträchtigem Getöse („Medien haben in der Pandemie versagt!“) kann man für eine so sachliche Annäherung dankbar sein, die nicht nur auf Befragungen, sondern auch auf einer Inhaltsanalyse der tatsächlichen Berichterstattung basiert und auf 60 Seiten ausgewertet wird. Die Ergebnisse entsprechen auch den deutlich gestiegenen Vertrauenswerten, über die sich Medien weltweit im Vergleich zum Vorjahr freuen konnten. Sowohl der Digital News Report aus Oxford als auch andere Untersuchungen wie das Edelman Trust Barometer hatten dies den Nachrichtenmachern attestiert – allen voran den öffentlich-rechtlichen Sendern und den Regionalmedien.

Medienmacher sollten es sich dennoch nicht zu gemütlich machen, denn die Untersuchung legt auch einige Schwächen des Journalismus offen. Gerade mit Blick auf die Berichterstattung zum Klimawandel und dem Ringen um Lösungen wäre es fahrlässig, daran nicht zu arbeiten.

Augstein-Studie zu Corona in den Medien: Fünf Lehren für den Journalismus

Forscher der Universitäten in Mainz und München haben im Auftrag der Rudolf-Augstein-Stiftung die Berichterstattung zur Corona-Pandemie untersucht. Ihr Ergebnis: Die Medien haben ihren Job größtenteils gut gemacht – trotzdem lässt sich daraus lernen.  


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Diese Trends prägen die Medienbranche

Metaverse, SHEconomy und Object-based Media – das sind nur ein paar der Themen, die die Medienbranche momentan bewegen. Auf der Website des MedienNetzwerk Bayern werden die relevantesten Themen und Entwicklungen unter die Lupe genommen. Alle Infos zu den Trends und die aktuelle Präsentation zum Download gibt es jetzt neu zusammengefasst!


Rheinische Post: Brandbrief der Jungen

Nachdem vergangenes Jahr Führungskräfte gegen Chefredakteur Moritz Döbler aufbegehrten, melden sich nun die Jungen zu Wort. Sie bemängeln unter anderem fehlende Wertschätzung sowie mangelnde Perspektiven und fordern strukturelle Verbesserungen. Marvin kennt den Brief, mit dem sie sich an ihren Chefredakteur gewandt haben.


Sebastian Turner über Gründungen im Lokaljournalismus

Medienunternehmer Sebastian Turner ist erfahrener Gründer und nicht zuletzt durch seine Tätigkeit als ehemaliger Herausgeber des Tagesspiegel und Investor von Rums in Münster Experte auf dem Gebiet des Lokaljournalismus. Im Directors‘ Club von Medieninsider (Video) hat er mit Marvin unter anderem über den Zustand regionaler und lokaler Medien gesprochen. Als Junior- und Senior-Mitglied kannst du hier den Ausschnitt ansehen und die Zusammenfassung lesen. 

Aus der Medieninsider-Mediathek:

► Den gesamten Directors‘ Club mit Sebastian Turner, in dem er auch über seinen eigenen Fachverlag Table.Media und seine Rolle als Investor spricht, findest du hier.

► Janina Mütze, Gründerin von Civey, hat mit Marvin über die Transformation der Meinungsforschung und das geringe Vertrauen in Umfragen gesprochen. Die gesamte Ausgabe des Directors‘ Club findest du hier

►Alle weiteren Ausgaben Directors‘ Club mit Arist von Harpe (Mopo)Katrin Gottschalk (taz) und Holger Stark (Zeit) findest du hier in der Übersicht


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Mehr News & Entdeckungen aus der Woche

zusammengetragen von Kevin Dusch

Umsätze bei ProSiebenSat.1 höher als vor Corona – Berlusconi will offenbar Einfluss ausbauen

ProSiebenSat.1 hat die Zahlen für das dritte Quartals veröffentlicht und bekräftigt, das obere Ende seiner Jahresprognose von 4,5 Milliarden Euro zu erreichen. Grund für die angehobene Prognose sind die steigende Erlöse, die über Vor-Corona-Niveau liegen. ProSiebenSat.1 verzeichnete im dritten Quartal ein Umsatzplus von 15 Prozent auf 1,055 Milliarden Euro im Vergleich zu 921 Millionen Euro 2020. Seit Jahresbeginn wuchs der Gesamtumsatz um 19 Prozent auf 3,041 Milliarden Euro. Im Vorjahreszeitraum waren es 2,555 Milliarden.
 
Trotz der guten Zahlen rumort es in der Chefetage des Medienkonzerns. Berichten zufolge will der ehemalige Regierungschef Italiens, Silvio Berlusconi, seinen Einflussbereich über den Kopf von CEO Rainer Beaujean hinweg erweitern. Berlusconis Unternehmen Mediaset hält derzeit 23 Prozent an ProSiebenSat.1. Einem Bericht von Business Insider zufolge plant der Ex-Politiker, seinen Anteils-Mix in stimmberechtigte Aktien umzuwandeln und nach Beaujeans Vertragsende 2022 drei bald offene Aufsichtsratsposten zu seinem Vorteil zu besetzen. Beaujean stelle sich diesen Plänen in den Weg. Die ausführliche Berichterstattung von Business Insider findest du hier.

RTL kündigt crossmedialen Bertelsmann-Kiosk an

TV Now heißt jetzt RTL+ und soll im kommenden Jahr zum crossmedialen Kiosk des Bertelsmann-Konzerns ausgebaut werden. Die neue Mediathek bündelt zukünftig Video- und Audio-Inhalte von RTL sowie die Magazine von Gruner + Jahr – weitere Ausbaumöglichkeiten nicht ausgeschlossen. Einen Preis gibt es für das neue Angebot noch nicht, dafür Ziele. Bis 2026 will die RTL Group gemeinsam mit dem Niederlande-Geschäft zehn Millionen Abonnenten erreichen. Die neuen Deutschland-Chefs Stephan Schäfer und Matthias Dang wollen davon fünf bis sechs Millionen beitragen. Aktuell verzeichnet RTL+ 2,4 Millionen Abonnenten, wovon rund eine Million auf den exklusiven Deal mit Magenta TV von der Telekom zurückzuführen sind. 

Parallel zur Ankündigung veröffentlichte die RTL Group ihre Zahlen für das dritte Quartal. Demnach entfallen auf das Geschäft mit den eigenen Streamingplattformen RTL+ und Videoland (Niederlande) 162 Millionen Euro, ein Wachstum von 30,6 Prozent gegenüber Vorjahr. Das Ziel für 2026: ein Umsatz von einer Milliarde. Insgesamt lang der Umsatz der RTL Group nach dem dritten Quartal bei 4,5 Milliarden Euro – ein Plus von 10,3 Prozent. Das Jahresziel: 6,5 Milliarden Euro Umsatz und einen operativen Gewinn von rund einer Milliarde Euro. Mehr zum Quartalsbericht der RTL Group findest du hier.

Evangelische Kirche verwehrt Journalistenschule neues Geld

Der Rat der Evangelischen Kirche Deutschlands hat bekanntgegeben, der Evangelischen Journalistenschule in Berlin kein zusätzliches Geld zur Verfügung zu stellen. Das berichtet epd Medien. Das Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (GEP) hatte zuvor ein neues Konzept für die Berliner Journalistenschule unter seiner Trägerschaft vorgelegt, für dessen Umsetzung zusätzliche Finanzmittel notwendig geworden wären. Grund für die Vorlage eines neuen Konzepts sind die finanziellen Probleme des GEP, das derzeit erhebliche Kosten abbauen muss. In diesem Zuge wurde der Schulbetrieb ausgesetzt, die Zukunft der Ausbildungsstätte steht derzeit auf der Kippe. Mehr Infos findest du hier.

APA setzt auf Klima-Content

Die österreichische Presseagentur APA hat ein eigenes Team zur Klimaberichterstattung eingerichtet. Die Einheit umfasse Mitarbeiter aus allen Ressorts und wird von Sandra Walder geleitet. Im Fokus sollen neben stärkerer aktueller Berichterstattung unter anderem auch Klimadaten und nachhaltige Technologiethemen stehen. Die Pläne ähneln der Ankündigung der dpa, die ab November ebenfalls mit einem Klima-Team verstärkt über das Thema berichten will. Die Mitteilung von APA findest du hier.

New York Times gewinnt 455.000 Abonnenten im dritten Quartal

Die New York Times hat im dritten Quartal um 320.000 Digital-Abos zugelegt, hinzu kamen 135.000 weitere in den Bereichen Games, Cooking und Wirecutter. Bei letzterem handelt es sich um eine Website für Produktbewertungen, die seit September ein Abo-Modell anbietet. Die Print-Abonnements dagegen fielen im Vorjahresvergleich von 831.000 auf 795.000. Damit steht die NYT nun bei 7,6 Milllionen Digital-Abos und 8,6 Millionen insgesamt. Rund zwölf Prozent aller Subscriber der New York Times kommen inzwischen von außerhalb der USA. Im internationalen Geschäft hat der Titel die Marke von einer Million Abonnements überschritten. Die gesamte Mitteilung der New York Times mit weiteren aktuellen Zahlen findest du hier.

Aus dem Personalticker:

► Cordula Schmitz wird Vize beim Hamburger Abendblatt

► Von RP zur Südwest PresseJudith Conrady ist neue Vize

 COO Veit Dengler verlässt Bauer Media Group schon wieder

► Legal Tribune Online macht ZDF-Rechtsexperte Felix Zimmermann zum Chefredakteur

► Isabel Reiss wird Marketing-Director bei Bild

► Susanne Amann übernimmt Operations und Strategie beim Spiegel

► Funke: Bettina Steinke wird Chefredakteurin von DerWesten, Thueringen24, News38 und Moin.de

► Protocol-Mitarbeiter kündigt wegen Übernahme durch Springer

► Felix Haas wird Leiter der digitalen Kanäle beim Stern

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Offene Stellen

► Business Analyst (m/w/d) im Büro Bardohn

► Ressortleitung (m/w/d) für die Lokalredaktion in Osterholz-Scharmbeck beim Weser-Kurier

► Community-Redakteur (m/w/d) bei Medieninsider


Aus der Medieninsider-Mediathek

Sebastian Turner über den Aufbau seines neuen Fachverlags Table.Media, seine Rolle als Investor und seinen Blick auf den Lokaljournalismus. Zum Video.

► Arist von Harpe über seine Motive für den Kauf der Hamburger Morgenpost, Paid-Content-Pläne und neue Ideen für die Vermarktung. Zum Video und zur Zusammenfassung

► Katrin Gottschalk, Produktchefin und Vize-Chefredakteurin der taz, über Transformation und eine papierlose Zukunft. Zum Video und zur Zusammenfassung.

► Holger Stark, Investigativchef und stv. Chefredakteur der Zeit, über Pressefreiheit und investigativen Journalismus. Zum Video


Wir wollen dich besser kennenlernen! Dazu haben wir unsere erste Medieninsider-Umfrage aufgelegt. Wenn du noch nicht teilgenommen hast, kannst du es hier tun. Die Umfrage dauert nur etwa fünf Minuten. Und noch besser: Im Gegenzug für deine Teilnahme versenden wir demnächst ein kleines Dankeschön.


Lesetipp

Verleger Dirk Ippen hatte kürzlich die Veröffentlichung einer Recherche seines Investigativ-Teams verhindert, das sich mit den Verfehlungen von Ex-Bild-Chefredakteur Julian Reichelt beschäftigt hatte. Springer-CEO Mathias Döpfner musste die Geschichte deshalb in der New York Times nachlesen. 

Womöglich hatten die Reporter rund um Juliane Löffler schon geahnt, wie schwierig die Sache werden könnte: Die New York Times-Kolleginnen Jodi Kantor and Megan Twohey hatten nämlich schon in ihrem 2019 veröffentlichten Buch über den Fall Harvey Weinstein sehr anschaulich beschrieben, was Recherchen rund um das Thema Machtmissbrauch und sexuelle Gewalt mit sich bringen können: 

She said – Breaking the Sexual Harassment Story that Helped Ignite a Movementist aber nicht nur wegen des Themas spannend. Das Buch legt offen, wie die New York Times investigative Recherchen durchführt und betreut. Es zeigt, warum Zeugen-Aussagen dabei sehr viel weniger zählen als Fakten, welche Gewissenskonflikte die Reporterinnen beschäftigen können, was eine solche Arbeit allen Seiten abverlangt und was für Medienhäuser dabei auf dem Spiel stehen kann. 

Das Buch ist eine unterhaltsame Lektüre für alle, die von großen Vorbildern lernen möchten. Du findest es unter anderem hier bei Amazon

Ich wünsche dir noch eine schöne Woche! 

Viele Grüße sendet dir

Alexandra

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INSIGHT #2

Berichte, Analysen, Wortlautprotokolle: Alle Medieninsider-Artikel zur Causa Reichelt in einem Dossier auf 68 Seiten.

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Dr. Alexandra Borchardt ist Journalistin mit mehr als 25 Jahren Berufspraxis, 15 davon in Führungspositionen (Süddeutsche Zeitung, Plan W). Sie ist Buchautorin, Beraterin und Professorin. Im April 2020 übernahm sie die Co-Leitung des Studiengangs Medien.Kultur.Journalismus an der Universität der Künste in Berlin, darüber hinaus ist sie u.a. Senior Research Associate am Reuters Institute for the Study of Journalism an der University of Oxford. Als journalistische Leiterin ist sie außerdem für das Digital Journalism Fellowship an der Hamburg Media School verantwortlich. Foto: Ina Abraham

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