Springer könnte Stepstone an die Börse bringen

Ausgabe #44/2021

Hallo Medieninsider!

Schön, dass du dabei bist! Was dich in dieser Woche im Lese-Letter unter anderem erwartet:

► Weshalb Mathias Döpfner im BDZV nicht viel zu befürchten hat

► Welche Herausforderungen Johannes Boie zu bewältigen hat und wie der neue Bild-Chef tickt 

► Wie Civey-Gründerin Janina Mütze auf die Transformation der Meinungsforschung blickt 

► Was Benjamin von Stuckrad-Barre mit der Causa Reichelt zu tun hat (Archiv)

► Weshalb das Internet Zeitungsliebhabern eine Freude bereiten dürfte

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Mathias Döpfner hat die deutschen Zeitungsverleger zwar noch nicht wieder auf seine Seite gezogen, wohl aber besänftigt. Das Präsidium des BDZV hat angekündigt, sich mit Döpfners Aussagen zum „neuen DDR-Obrigkeitsstaat“ und Journalisten als „Propaganda-Assistenten“ zu befassen – allerdings erst am 24. November. Clever.

Die Verleger signalisieren damit heute, die Aussagen ihres Präsidenten nicht einfach so hinzunehmen. Allerdings wissen sie auch: In vier Wochen wird die Suppe nicht mehr so heiß gegessen. Döpfners Aussagen werden – sofern nichts Neues passiert – bis dahin fast vergessen sein. Stattdessen wird voraussichtlich eine neue Bundesregierung stehen. Und dann wird es heißen: Zurück zum Wesentlichen. Die Verleger wollen die anstehende Erhöhung des Mindestlohns kompensiert wissen, die Zustell- beziehungsweise Presseförderung nachgeholt. Den einflussreichen Springer-CEO kann man da weiterhin gut gebrauchen. 

Unterdessen sorgt Döpfners frisch angetretener Chefredakteur bei Bild für neue Verhältnisse. Wie ich im folgenden Artikel skizziere, muss Johannes Boie zügig ein Führungsteam um sich herum formieren, dem er Vertrauen kann. Weil er neu ist, von außen kommt und eben kein Boulevard-Profi. Gesagt, getan: Anfang dieser Woche vermeldete er den Wechsel von Antje Schippmann von der Welt am Sonntag zu Bild. Gemeinsam mit Linna Nickel wird sie als Blattmacherin die Print-Produktion verantworten, beide werden Mitglieder der Chefredaktion. Mit den ersten Personalentscheidungen setzt Boie ein offensichtlich und ein verstecktes Zeichen:

► Das offensichtliche: Der Chefredakteur achtet auf Diversität. Boie bekleidet eine der wichtigsten Positionen in der täglichen Zeitungsproduktion mit zwei Frauen. 

► Das versteckte: Der Chefredakteur holt Ehemalige zurück und entscheidet unvoreingenommen. Schippmann war bereits bei Bild, ist unter Julian Reichelt (zu Boie) gegangen. Mit Nickel befördert er zugleich eine dem Vernehmen nach kompetente und engagierte Mitarbeiterin, die unter Reichelt gekommen ist.

Döpfners neuer Erster Journalist: Schreibtisch statt Feldbett

Als Johannes Boie 2019 als Chefredakteur bei der Welt am Sonntag begann, musste er erst einmal weichen. Sein Büro im Newsroom in der damaligen Ullstein-Halle war besetzt, Dagmar Rosenfeld steuerte von dort die bereits laufende Produktion der nächsten Ausgabe. Boies Antritt in seinem neuen Job in der vergangenen Woche verlief in dieser Hinsicht deutlich geschmeidiger. Die Wirkungsstätte seines Vorgängers war bereits einen Tag nach dessen Rauswurf geräumt. Feldbett raus, Schreibtisch rein. Boie konnte ungehindert einziehen. Doch schon alles andere hat mit Geschmeidigkeit nichts mehr zu tun – vor welchen Herausforderungen der neue Bild-Chef steht und ob er überhaupt der Richtige ist. 


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Das waren die MEDIENTAGE MÜNCHEN 2021

5 Tage Konferenzprogramm, mehr als 150 Sessions, 400 Speaker aus Deutschland und der Welt – das waren die MEDIENTAGE MÜNCHEN 2021. Alle Sessions gibt es jetzt noch 4 Wochen on demand auf der digitalen Plattform unter www.medientage-digital.de. Außerdem findet Ihr im Podcast und auf dem Blog der MEDIENTAGE Zusammenfassungen einiger ausgewählter Panel. Reinschauen lohnt sich!


Wer als Gründer mit seinem Unternehmen in einen gesättigten Markt eintritt, braucht vor allem zwei Dinge: Ein neuartiges Produkt und genügend Selbstbewusstsein. Janina Mütze hat beides. Mit Civey mischt sie seit einigen Jahren den Markt der Meinungsforschung auf. Sie sagt:

„Wir haben das Erhebungsproblem der Branche gelöst.“

Civey setzt, anders als der Großteil der Demoskopen, ausschließlich auf Online-Befragungen und sieht sich damit am Puls der Zeit, denn: 90 Prozent der Deutschen sind mittlerweile über das Internet erreichbar. Die Technologie ermöglicht zudem Stimmungen und ihre Entwicklungen in Echtzeit zu messen. Civey macht das mit gewissem Erfolg. Sowohl große Unternehmen als auch namhafte Medienhäuser arbeiten mit dem 2015 gegründetem Start-up aus Berlin zusammen.

Trotzdem arbeitet Civey nicht frei von Kritik. Die Methodik der Online-Erhebung sorgt in Fachkreisen immer wieder für Diskussionen und auch der Wettbewerb reagiert auf den neuen Player am Markt häufig allergisch. Der Streitpunkt: die Repräsentativität von gesammelten Daten und ihre Verarbeitung. 

Janina Mütze nimmt es gelassen. Gestern war sie im Directors‘ Club und hat geduldig sowie ausführlich über Civeys Methoden und die Kritik daran diskutiert. Sie hat spannende Einblicke in ihr Unternehmen mit bald 100 Mitarbeitern geteilt, wir haben über die Transformation und die Stimmung in der Demoskopen-Branche gesprochen. Unter anderem sagt sie, der Ton sei mittlerweile konstruktiver geworden:

„Man hat sich mittlerweile damit abgefunden, dass dieses Online bleibt.“

Als Director-Mitglied kannst du dir das etwa einstündige Gespräch in voller Länge ansehen. 

Civey-Gründerin Janina Mütze über die Transformation der Meinungsforschung

Civey-Gründerin Janina Mütze
Civey-Gründerin Janina Mütze

Im Directors‘ Club spricht Civey-Gründerin Janina Mütze über die Transformation der Meinungsforschung und diskutiert über die Qualität von Umfragen, Methoden, ethische Standards und die Zusammenarbeit mit Medienhäusern. Das Video in voller Länge kannst du als Director-Mitglied sehen.


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Mehr News & Entdeckungen aus der Woche

zusammengetragen von Kevin Dusch

Springer könnte Stepstone an die Börse bringen

Laut einem Insider-Bericht plant Axel Springer, seine Tochter Stepstone mit einer Bewertung von sieben Milliarden Euro an die Börse zu bringen. Zuerst hatten die Financial Times und Reuters darüber berichtet. Demnach solle der Börsengang bereits im ersten Halbjahr 2022 vollzogen werden. Stepstone ist seit 2009 vollständig in Springer-Hand, beim Einstieg 2004 wurde es noch mit 137 Millionen Euro bewertet. Seit 2011 ist die Jobbörse jährlich um 20 Prozent gewachsen. Den ursprünglichen Bericht der Financial Times findest du hier.

Hessischer Rundfunk vertagt Intendanten-Wahl

Nach einem Gleichstand der beiden Kandidaten für den Intendantenposten beim HR in drei Wahlgängen wurde die Wahl vertagt. Neuer Termin ist der 3. Dezember. Bei der Abstimmung des Rundfunkrates über die Nachfolge von Manfred Krupp hatten die beiden Kandidaten – Stephanie Weber und Florian Hager – dreimal hintereinander je 16 Stimmen bekommen. Eine einfache Mehrheit hätte für den Sieg gereicht. Bis zum neuen Wahltermin können sich die Anwärter nun entscheiden, ob sie weiterhin kandidieren wollen oder sich zurückziehen. Auch neue Personen könnten antreten. Eine Meldung zum Thema von DWDL findest du hier.

MDR eröffnet binationales Studio in Görlitz

Das MDR-Studio im sächsischen Görlitz an der deutsch-polnischen Grenze arbeitet seit Dienstag als erstes binationales Studio innerhalb der ARDmit dem polnischen Sender Radio Wrocław zusammen. Ziel des Projekts ist laut MDR, gegenseitiges Verständnis zu wecken und die Berichterstattung nicht an der Grenze enden zu lassen. Künftig werden darum neben den zwei deutschen MDR-Leuten auch zwei polnische Journalisten in dem Studio arbeiten, sowohl für ihren eigenen Sender, als auch für die ARD-Anstalt. Die Mitteilung des MDRfindest du hier.   

Aus dem Personalticker:

► Unterhaltungschef Phil Jahner verlässt BuzzFeed – auch Saba MBoundza geht

► Miriam Hollstein wechselt von Funke zu T-Online

 Ex-RTL-Chef Bert Habets übernimmt Leitung von Antenna Group

► Linna Nickel und Antje Schippmann rücken in Bild-Chefredaktion auf

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Offene Stellen

► Business Analyst (m/w/d) im Büro Bardohn

► Ressortleitung (m/w/d) für die Lokalredaktion in Osterholz-Scharmbeck beim Weser-Kurier

► Community-Redakteur (m/w/d) bei Medieninsider


Aus der Medieninsider-Mediathek

Sebastian Turner über den Aufbau seines neuen Fachverlags Table.Media, seine Rolle als Investor und seinen Blick auf den Lokaljournalismus. Zum Video.

► Arist von Harpe über seine Motive für den Kauf der Hamburger Morgenpost, Paid-Content-Pläne und neue Ideen für die Vermarktung. Zum Video und zur Zusammenfassung

► Katrin Gottschalk, Produktchefin und Vize-Chefredakteurin der taz, über Transformation und eine papierlose Zukunft. Zum Video und zur Zusammenfassung.

► Holger Stark, Investigativchef und stv. Chefredakteur der Zeit, über Pressefreiheit und investigativen Journalismus. Zum Video


Was Benjamin von Stuckrad-Barre mit der Springer-Krise zu tun hat

Autor Benjamin von Stuckrad-Barre. Foto: Stefan Schäfer, Lich, Axel Springer SE Montage: Medieninsider
Autor Benjamin von Stuckrad-Barre. Foto: Stefan Schäfer, Lich, Axel Springer SE Montage: Medieninsider

Benjamin von Stuckrad-Barre stiftet derzeit einiges an Verwirrung. Erst taucht er mehr oder weniger zusammenhanglos in der Berichterstattung der New York Times über die Vorgänge bei Axel Springer auf, dann sitzt er in der rbb-Sendung Chez Krömer und platziert gemeinsam mit Moderator Kurt Krömer lauter Anspielungen auf das Compliance-Verfahren und Springer-CEO Mathias Döpfner. Das wirft die Frage auf, was Stuckrad-Barre mit all dem zu tun hat. Ich habe es im Frühjahr recherchiert und über die Rolle des Buch-Autors und (ehemaligen) Döpfner-Freundes im Compliance-Verfahren berichtet. Den Artikel kannst du als Medieninsider hier lesen. 


Wir wollen dich besser kennenlernen! Dazu haben wir unsere erste Medieninsider-Umfrage aufgelegt. Wenn du noch nicht teilgenommen hast, kannst du es hier tun. Die Umfrage dauert nur etwa fünf Minuten. Und noch besser: Im Gegenzug für deine Teilnahme versenden wir demnächst ein kleines Dankeschön.


Lesetipp

Liest du noch Zeitungen? So oder so halte ich diese Woche einen Lesetipp für Liebhaber bereit.

Die Deutsche Digitale Bibliothek macht mit ihrem neuen Projekt eine einzigartige Zeitreise möglich: Im „Deutschen Zeitungsportal“ stellt der Projektträger kostenfrei bis zu 300 Jahre alte Mediengeschichte zur Verfügung. Es umfasst:
 
► 247 unterschiedliche Zeitungen aus den Jahren 1671 bis 1950. Das macht:

► 600.000 Ausgaben mit rund 4,5 Millionen Zeitungsseiten

Künftig soll die Datenbank ausgebaut werden. Bei so viel historischem Lesestoff lohnt sich der Blick aber ganz sicher schon jetzt. Das Deutsche Zeitungsportal findest du hier

Ich wünsche dir noch eine schöne Woche! 

Viele Grüße sendet dir

Marvin

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INSIGHT #2

Berichte, Analysen, Wortlautprotokolle: Alle Medieninsider-Artikel zur Causa Reichelt in einem Dossier auf 68 Seiten.

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Marvin Schadehttps://medieninsider.com
Marvin ist Co-Gründer und Founding Editor von Medieninsider und hat sich damit einen kleinen Traum erfüllt. Vor der Gründung war er mehrere Jahre für den Branchendienst Meedia in Hamburg und Berlin tätig, arbeitete kurz beim Focus Magazin und zuletzt für Gabor Steingarts Morning Briefing.

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